Wein küsst Kulturerbe. Weinrallye #98

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Kulturerbe und Wein. Ein spannendes Paar. Naheliegend. Denn schließlich wurde Weinbau in einer Zeit kultiviert, als noch ein feudales System regierte, und dieses beherrschte sowohl seinen Markt als auch Entwicklungen.
Jasmin Koch vom Blog WeinReich hat dieses Thema ausgerufen.

Mein Beitrag ist eine kleine Reise zu den Zisterziensern.

Deren Prinzip des einfachen Lebens steht im Gegensatz zu der phänomenalen Architektur, die sie zustande gebracht haben.
Aber immer unter dem Ansatz der Klarheit.
Und hier trifft Denkmal auf Wein. Wein kann vielschichtig sein, sich langsam erschließen, aber nur wenn er eine klare Aussage hat, werden wir ihn mögen.
So wie die Räume der Abteien. Sie leben durch ihre Leere.
Da ist kein Schnörkel, kein Bild.
Große Flächen und sensationelle Bauweise… Hier ist Luft für die Phantasie.

 

Naheliegend und immer eine Reise wert ist ja der schöne Rheingau.
Und hier ragt das ehrwürdige Kloster Eberbach hervor.

Nimmt man sich Zeit für die Kirche, so versteht man die Geschichte und den Anspruch.
Doch das verkommt  hier leider zur Marginalie.
Selten habe ich an einem Ort eine derartige Mischung gefunden von
Kommerz, Kunst und Kultur.Klosteransicht, Kreuzgewlbe

Ein Rummelplatz der Führungen, die alle durch die Klosterschänke geschleust werden, damit sie auch bitte sehr noch ein zwei Fläschchen kaufen.

Was alle wissen, ist nun ja auch bald Geschichte. Die Dreharbeiten zu
„Der Name der Rose“. Witzig ist die Dekosäule, die in der leeren Basilika herum steht und an den Dreh erinnert und wirklich nicht vom alten Stein zu unterscheiden ist, bis man sie anfasst. Was mir persönlich neu war: im April diesen Jahres hat es auch RTL in die heiligen Gemäuer hingezogen zur Castingshow.  Mir rollt sich grad der Wein im Glas….

Daneben, oft unbeachtet, findet sich im Kloster Eberbach eine Rebschule, die seinesgleichen sucht.
Sehr aufwändig, liebevoll und verständlich erklärt.

Ganz zu schweigen von den Weinen. Die hessischen Staatsweingüter sind laut Eigenaussage das größte Weingut Deutschlands. Und wenn auch manches weniger spannend ist, machen sie doch ordentlichen Wein.
Und da sie auch Parzellen im Assmanshäuser Höllenberg besitzen, streifen wir nun auch noch einen von zwei deutschen Weinbergen des UNESCO Weltkulturerbes. Der zweite ist der Würzburger Stein, darüber schrieb ich in anderem Zusammenhang.

Vielleicht ist der Anspruch als Schützenswertes Kulturgut nach der Haager Konvention
einfach ein bißchen viel für das ehrwürdige Gemäuer.

 

Gehen wir nach Frankreich. Dort herrscht eine andere Gelassenheit.

Das Kloster Fontenay liegt inmitten des Burgund aber außerhalb der Hotspots.
Fast genau zwischen Chablis und Dijon angesiedelt, was jeweils eine Stunde Fahrzeit ist,
gehört es seit 1981 zum UNESCO Weltkulturerbe und ist eine der ältesten erhaltenen Anlagen.
Hier herrscht Ruhe. Der Weinbau ist nicht direkt vor der Tür.
Die Mönche haben ihn wohl auch betrieben, aber er war hier einfach nur ein Teil eines Obstanbau Mischbetriebes.

abbaye_de_fontenay-eglise
Fontenay ist eine Reise wert.
Es lässt sich ja rechts und links viel schönen Wein verkosten.
Eine fast intakte Anlage aus dem 12. Jahrhundert.
Mit einer Basilika, die noch größer, spektakulärer ist als Eberbach.
Ein großer leerer Raum mit imposanten Säulen einem schlichten Altar.
Sonnendurchflutet. Beeindruckend durch seine Größe.

Ich hatte das Glück, dort endlose Minuten ganz allein zu sein.
Das ist besser, viel besser als das erste Glas Wein nach langer Fastenzeit.

Im Burgund wimmelt es ja nur vor Klöstern.
Das ist das Schöne an diesem Gebiet.
Hier küsst der Wein an jeder Ecke das Kulturerbe.
In aller Ruhe.

 

 

 

Das Zusammenspiel von Speise & Wein ist meine Passion.

 

Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderer Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Auch bei den Kollegen vom Weinforum kann man seine Beiträge einstellen.
Bitte verlinkt Eure Beiträge in der Facebookgruppe Weinrallye, im Anschluss erscheint dann bei Facebook und auf dem gastgebenden Blog die Zusammenfassung.

 

 

 

 

 

8 Kommentare zu “Wein küsst Kulturerbe. Weinrallye #98

  1. Ja so ist das mit dem Schönen – manchmal wird es von seiner eigenen Erhabenheit erdrückt. Da ist mir das Burgrund lieber und auch die Mosel mit ihren tönernen, mineraligen, schieferhaltigen Rieselingen; und mit Trier auch noch eine Welterbestätte in der Nähe.

    • Ja, die Rieslinge der Mosel sind eine Königin für sich.
      Danke für die schöne Ergänzung mit Trier!

    • Na schaun wir mal, was die Kollegen so alles schreiben. Wird sicher eine vergnügliche Rallye. Aber vielen Dank, Klaus, für das Lob!

    • Da bin ich ja mal sehr gespannt! Wäre jetzt auch eine schöne Zeit, um ins Burgund zu reisen….

  2. liebe Juliane,
    schöne rallye-etappe !
    tja der touri-rummel in eberbach hat schon seine eigene qualität.
    aber, es gibt auch da noch zeiten, in denen weniger los ist – das glück
    derjenigen, die sich die reisezeiten unabhängig einteilen können…

    war am wochenende in der champagne… da wünscht man sich in epernay,
    selbst an einem donnerstag, ein bisschen mehr ruhe – mag mir kaum vorstellen,
    wie es da an einem sonnigen august-wochenende zugeht.
    allerdings gibt´s da in der gegend ja auch schöne kleine örtchen, die sich in ruhe
    entdecken lassen – ein kleiner spaziergang an der marne entlang erlaubt auch schöne einblicke
    in die „bau“kultur der gegend… und wein gibt´s da ja auch ein bischen 🙂 … schön war´s !

    eine gute zeit
    harald

    • Danke, Harald, für Deine schönen und sehr ergänzenden Zeilen…
      Könnte ja fast ein neuer Beitrag werden bei der Rallye.
      Nischen finden ist gut.
      Herzlichst, Juliane

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