Sweeties. Weinrallye #108.

Das Gute an der Weinrallye ist, dass sie mit monatlicher Sicherheit ein neues Thema aufwirft,
welches dann oft weit von meinem persönlichen Focus entfernt ist.
Das Gute an der Weinrallye ist, dass ich so gezwungen werde, meine derzeitigen Recherchen und Entwürfe von Beiträgen kurzfristig dem Wiedervorlage Modus anzuvertrauen.
Um mich einem tollen neuen mir völlig fremden Thema zu widmen,
das meinen Blog und meine Leser bereichern kann.
Das Schwierige an der Weinrallye ist, dass sie in letzter Zeit viel zu kurzfristig ausgerufen wird.

Menschen wie ich brauchen Zeit für Ihre Kreativität, sie liegt nicht im Regal. Und sie findet, wie sicher bei vielen Bloggern, abseits eines ausufernden Arbeitsalltags statt, in dem der Blog nun leider keinen Raum hat.
Wenn nun aber der Weinanwalt in kürzester Zeit nach Gamay Worldwide erneut zur Rallye aufruft, ist Zögern nicht gestattet.

Sweeties. Süßsauer, Restsüß oder Halbtrocken?Weinrallye #108
So lautet das Thema der Weinrallye #108.

Ich habe keinen Keller, in dem die Granaten der letzten Jahrzehnte lagern. Aber ich habe einen Keller, in dem sich so einige Süßweine stapeln, weil sie nie zum Zuge kommen.
Meine legendären Januar Menüs für Gastro Kollegen, die das schätzen konnten, sind mit meinem Umzug leider Geschichte geworden.

 

Meist erlebe ich, dass Gäste abwinken. Bloß nicht süß, nicht noch mehr Alkohol, lieber noch ein Glas vom Roten… Dabei haben Süßweine oft weniger Alkohol als kräftige Rote. Einzige Ausnahme sind hier die gespriteten Weine, deren Gärung unterbrochen wird durch die Zusetzung von Alkohol.

Süße Weine = Billige Plörre.
Höchste Zeit also, die Sweeties mal wieder mehr ins Rampenlicht zu befördern.
Schreibt Stefan Schwytz in seinem Aufruf.

 

Weinplanerin. Riesling zu Käse

Ich bin von Zeit zu Zeit an der Mosel unterwegs. Da trinkt man restsüß. Und deshalb bauen die Winzer das auch aus.
Es hat mich eine Weile gekostet, das zu verstehen.
Heute bin ich bekennender Fan von feinherben Spätlesen der Mosel, weil sie eine überbordende Aromenvielfalt an den Tag legen und bei genauem Hinsehen eine Säurestruktur besitzen, die die Weine mit Länge und Alterungspotential versieht.
Ein Gedicht zu Sushi, Fisch, Gerichten vom Kalb mit vielen Gewürzen. Ebenso empfehlenswert zu reifem Käse.

Von den Auslesen und Beerenauslesen ganz zu schweigen. Das ist Wein, den man kauen sollte und in Würde genießen. Trinken lässt sich das nur in kleinen Dosen.

Ähnlich genial ist roter Süßwein aus Frankreich, der Schokoladenkuchen oder weißes Kaffeebohnen Eis in einem Menü begleitet.
Hier muss man Perlen suchen und wird am besten fündig im tiefen Süden.
Die Roten Klassiker Rivesaltes und Banyuls gehören hier zu meinen Favoriten.

Und letztens hatte ich doch aus Spanien einen Wein, der allen Banyuls dieser Erde das Wasser reichen kann.

Und wie ist es mit dem Amarone, der ja auch so einiges an Süße hervor bringt?
Wer einmal in den Genuss kam, Rotwein Risotto mit einem gereiften Amarone zu probieren, wird niemals mehr von süßer Plörre sprechen.

Die Sweeties brauchen Aufmerksamkeit und sind eine schöne Herausforderung an jede Speisenbegleitung.
Denn ohne wird es bei Glas zwei dann oft zu üppig aufgrund der Restsüße und der intensiven Aromen.
Der einzige Vorwurf, den man ihnen machen kann ist:
Man kann sie nicht einfach so wegtrinken.
Hier sind meine Weine

Weinberatung Riesling Arens

2015 Riesling Spätlese „Steillage“
Maringer Sonnenuhr, Weingut Arens, Mosel

Dieser Wein ist spektakulär, weil bei hohem Fruchtzucker Anteil dennoch die Säure eine klare Aussage trifft. Und das bei einem mäßigen Alkoholgehalt von 8% Vol.

Reifer Pfirsich, Maracuja, Schale von Charentais Melone in der Nase spiegeln sich im schmelzigen Gaumenauftakt. Abgelöst durch frische fast stahlige Säure, mündend in Blütenhonig, viel reifer Frucht und etwas Rauch. Am Gaumen lang und cremig, sehr adstringent in fruchtig süßem finish.

Das Aussergwöhnliche an diesem Wein ist diese Säure, die den Wein in große Länge zieht und ihn gleichzeitig fast frisch erscheinen lässt bei all der Restsüße und Aromatik.

Die Speisenpalette sollte bestimmt sein von Schärfe, Gewürzen und auch etwas Säure.
Curry vom Huhn mit Chili, Ingwer, Sprossen; Gebratener Rauchlachs mit Limettenschaum und Rösti; Raclette mit Jamaica Pfeffer; Reifer Käse.

 

Weinberatung. Riesling Auslese Arens

2011 Riesling Auslese „Alte Reben“
Maringer Sonnenuhr, Weingut Arens, Mosel

Welch Aussage in diesem Wein steckt. Er hat alle Facetten eines Dessertweines, obwohl in 0,7l abgefüllt.
Auch hier haben wir einen Alkoholgehalt von 8% Vol.
Der Wein altert sehr langsam vor sich hin und hat noch Potential für viele Jahre.

Nase von Brioche und Nüssen, reifem Pfirsich, Lack, Firn, Petroltönen, Akazienhonig.
Sehr dicht und nussig am Gaumen. Man kann ihn fast kauen. Enorme Länge mit viel reifer Frucht, dunklen nussigen Tönen.

Als Speisen empfehlen sich reifer Käse mit Mangochutney; Mandeltart mit Sabayone; Schokoladensoufflé mit weißem Kaffebohneneis.

 

Weinplanerin. Roter Süßwein

Pansal de Calàs
70% Grenache Noir, 30%Carignan
Celler de Capçanes, Montsant

Dieser Wein ist gespritet und das erklärt auch den Alkoholgehalt von 16,5% Vol.
Er lässt sich mit gutem Portwein vergleichen.

In der Nase Bitterschokolade, Schwarzkirsche, Röstaromen, Pflaume.
Am Gaumen ergänzt durch Feige, Mocca etwas Tabak.
Rund im Nachhall mit einer ausladenenden Aromatik und kurz aufblitzender Säure. Dunkel und weich.

Das braucht in der Speisenbegleitung kräftige Desserts. Schokoladenkuchen mit Basilikumsorbet; Mohnmousse mit eingelegten roten Früchten; Pflaumencrumble mit Vanilleeis.

 

Sweeties sind langlebig, aromenfüllig und vortreffliche Speisenbegleiter.
Mir als WeinPlanerin kommt das sehr entgegen.

 

Die WeinPlanerin. Wein und Speise. Korrespondierend oder Konträr.

 

WeinPlanerin. Wein zu Desserts.
Bezugsquellen

Riesling Spätlese Steillage               € 11,40            Weingut Arens
Riesling Auslese „Alte Reben“        € 18,60            Weingut Arens
Pansal de Calàs                                  € 19,80            wine4friends

 

 

 Hier geht’s zur Zusammenfassung der Weinrallye auf dem Blog Baccantus.

 

Die Weinrallye ist ein monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderer Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Auch bei den Kollegen vom Weinforum kann man seine Beiträge einstellen. Bitte verlinkt Eure Beiträge in der Facebookgruppe Weinrallye  und in den Kommentaren des gastgebenden Blogs. Im Anschluss erscheint dann bei Facebook und auf dem gastgebenden Blog die Zusammenfassung.

 


 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

8 Kommentare zu “Sweeties. Weinrallye #108.

  1. Ich bin ja auch einer diese Gäste, die noch lieber ein Glas von dem Roten.. aber in der Tat, das beste Ristotto meines Lebens habe ich im Valpolicella mit einem Amarone als Weinbegleitung gegessen. Danke für diese Auffrischung!

    • Wollte jetzt keinem meiner Gäste auf den Schlips treten….Danke für die Schöne Ergänzung bezüglich Amarone!

  2. her mit dem süsskram !!!
    und pfeif auf die bikini- bzw. badehosenfigur 🙂
    du hast recht, sie werden nicht getrunken – oft vergessen – sind nicht auf dem zettel…
    schade – ein recioto zum schokoeis , ein süsser aus bordeaux oder eben auch ein
    sagenhaft saftiger eiswein von rheingau oder mosel, auch für wenig geld zu bekommen –
    ist der krönende abschluss eines feinen essens – oder auch einfach so.
    ab auf die süsse seite der macht…
    harald

  3. Weinplanerin Gassert geht wieder in die Vollen. Süße und restsüße Abfüllungen aus dem Weingut Arens, dazu auserlesenen Leckereien zum Nachtisch. Schwer zu wiederstehen. Wir versuchen es gar nicht erst und folgen ihr willig. Ohne Bedauern. Schon das Lesen ist ein Genuß. Und das Probieren erst.

  4. „Weinplanerin“ – sie ist doch schön, unsere Sprache. Endlich weiss ich, was ich dringend brauche, vor allem bei den Süssen: Weinplanung. Ich meine dies nicht etwa ironisch, sondern ganz im ernst. Ich kenne so viele (gute) Weine und überlasse meist – Schande über mein Haupt – den „andern Teil“, die Speise, dem Zufall. Ich gelobe: dies werde ich ändern. Die Weinplanerin hilft mir da sicher.

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