Weinrallye #94 – Haben oder Sein

Die Zeit des Wünschens und Bekommens, folglich des Habens ist vorbei.

Der Katzenjammer beim Aufbruch ins Neue Jahr verflogen, genauso wie mancherorten die Euphorie des Seins,
auch wenn die letzten Optimisten unter uns, zu denen ich gehöre, unerschütterlich behaupten, dieses Jahr wird ein Besonderes….

Einkehr und Vorsatz haben uns daran erinnert, dass wir Menschen sind und nicht nur weintrinkende Existenzen, die ständig und dauernd der Welt mitteilen müssen, wo sie gerade was trinken und warum das nun das Nonplusultra ist.

Manch schöne Flasche ist auf dem Weg der Feierlichkeiten sicher bei jedem von uns ihres Daseins beraubt worden und hat auf der Habenseite der Konsumierenden ein schönes Plus hinterlassen.

Sei‘s drum.

Weinrallye #94Kürzlich las ich über einen Wein des Jahres,
der nicht nur unerschwinglich ist für wenig begüterte Weinenthusiasten,
sondern auch kaum erhältlich, denn es gibt davon nur einige Flaschen.
Aber er kostet nichts im Vergleich zu großen Namen und Etiketten der gleichen Gegend.

Und nun kommt Sein und Haben doch durcheinander.

Der arme Fromm – immerhin ist er der Sohn eines Weinhändlers –
er würde sich im Grabe wälzen, wüsste er, was hier mit seinem hochaktuellen weitgedachten sehr sozialen Ansatz getrieben wird.

Wir könnten jetzt ausrufen: Grundwein für alle!
Aber ich wäre die Erste, die dem widerspricht.
Wein ist eine individuelle Angelegenheit.
Denn Geschmack lässt sich nicht verallgemeinern.

Und schon kommen wir vom Haben zum Sein.

Es braucht Wein für jeden Geschmack.
Auch wenn nicht jeder Geschmack im Wein gebraucht wird.

Und so löse ich das Problem zwischen Haben und Sein auf leichte Weise:

Wir erfinden uns einen Wein!
Er kostet nichts, denn er ist ein Produkt unserer Fantasie.
Er ist köstlich in seiner Vielfalt, wie es die Wirklichkeit nicht widerspiegeln kann.

Wir Haben einen Reichtum an Vorstellung.
Und unser Bewußt Sein wird dadurch in neue Ebenen erhöht.

Leeres Weinglas vor Weinflaschen vor weißem Hintergrund
Hier ist mein Wein:
Er kommt aus einer Flasche, die den Schaumweinen ähnelt.
Helles grün, weil das gerade auszusterben droht.
Und Schraubverschluss, denn er ist ja für den Moment.

Farblos ist er, denn wir wollen uns ja nicht beeinflussen lassen.

Und dann lassen wir den Aromen freien Raum….

 

 

Weinbergspfirsich paart sich mit Cassis.
Sauerkirsche trifft auf Meersalz.
Reife Birne kontert Zimt und Tabak.
Maracuja und Ginster mischen sich mit Stall und Teer.
Leichte Vanille unterstützt Orangenceste.
In der Mitte eine kurze Irritation…
war das nun Pfeffer oder doch eher ein Kraut?
Sanfte Säure paart sich mit weichen Tanninen.
Und im Nachhall finden sich noch ein paar Rosenblätter.

DSCN4884
Schön ist unser Wein und endlos…
Sein und Haben in Vermählung.

Cheers.

 

 

 

Das Zusammenspiel von Speise und Wein ist meine Passion.

 

Diese Weinrallye wird ausgerichtet von den wunderbaren Kollegen von hundertachtziggrad.
Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderer Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Auch bei den Kollegen vom Weinforum kann man seine Beiträge einstellen.
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6 Kommentare zu “Weinrallye #94 – Haben oder Sein

  1. Auch – oder gerade- weil wir uns nicht auf weintrinkende Existenzen reduzieren lassen, sind Julianes poetische Weinreisen ein Balsam für die Seele. Ohne diese Höhepunkte wäre das Leben ärmer.

  2. „Schön ist unser Wein und endlos…
    Sein und Haben in Vermählung.“

    …dann lass uns träumen…

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