Weinralley #83 – Wein in Film und Fernsehen

 

Gläser klirren. Flaschen werden mit einem Plopp entkorkt.White wine
Wein im Film. Man kann ihn sehen. Man kann ihn hören.
Wein im Film. Er wird kommentiert.
Wein im Film. Er verspricht Geselligkeit.

Doch dem Wein im Film fehlt ein entscheidendes Attribut.
Man kann ihn nicht riechen.
Man kann ihn nicht schmecken.

Wein ohne Geschmack. Das ist wie Schwimmen auf Sand.

Und doch hat es so seinen Reiz, sich Filme über oder mit Wein anzusehen.
Wir lernen etwas über die Leidenschaft, die vom Wein auf die Protagonisten überspringt.
Wir lernen etwas über die Gegend, aus der kommt.
Vielleicht lernen wir sogar etwas über Geschmacksrichtungen und Rebsorten.

Wein passt zu einer Sorte Film, in dem es um Leidenschaft, Freundschaft,
aber auch das einsam verzweifelte Dasein geht.

Es gibt nicht viele Filme, in denen Wein eine prägende Rolle spielt.
Ich habe mich verleiten lassen zu Ridley Scott’s „Ein gutes Jahr“.

Spannend ist, dass sich das Geheimnis um zwei Flaschen durch den Film zieht.
Die Burgunderform, die ständig angeboten wird, die immer auf dem Tisch steht,
die zu unendlichen Mengen im Keller lagert. Und die niemand trinken will.
Ich frage mich die ganze Zeit, warum verziehen sie alle ihr Gesicht.
Es ist der Süden Frankreichs, so schwer kann es doch nicht sein,
da einen passablen Wein zu zaubern….

Vor allem weil es diese andere Flasche gibt,
die als „Garagenwein“, als „Rarität“ gehandelt ist
und offensichtlich vom gleichen Weingut abstammt.
Diesen Wein mögen alle. Und sind glücklich, dürfen sie einen Schluck davon erhaschen.

Schade ist hier, dass diese spannende Geschichte nicht weiter erzählt wird, dass es nicht klar ist, ob der Weinmacher ein guter Mann oder nur ein ordentlicher Verwalter ist. Es sei Hollywood geschuldet, dass der Film etwas anderes erzählen will. Die Geschichte vom Broker, der zum Aussteiger wird und zufälligerweise auch noch Kellnern kann (können ja immer alle…) und damit das Herz der Auserkorenen einfängt. Bei all diesem Trubel und Schmacht bleibt der Wein so langsam auf der Strecke.

So erzähle ich die Geschichte von der sonderbaren Weinflasche,
die Onkel Henry da über Jahre in seinem Keller lagert, einfach neu:Weingarten 47

Als Henry und sein Weinmacher Monsieur Duflot in ihren besten Jahren waren, haben sie ihre Reben aufmerksam vinifiziert. Der Ertrag wurde begrenzt, die Reben selektiert. Im Keller arbeiteten sie mit Maischegärung, Temperaturkontrolle, der Wein wurde lange im großen Fass vergoren. Sie trafen sich jeden Abend um ihr Lieblingsstück zu probieren und zu bestaunen.
Dieser Wein ist der Zauberwein, der in Ruhe lagern kann.

Da sie aber mehr und mehr die Kraft verließ, haben sie einen Teil ihrer Hektar als Grundwein weiter verkauft, das ist nicht ehrenrührig. Es war kein gutes Jahr, die Ernte ließ zu wünschen übrig. Und doch dachte sich Monsieur Duflot, er könnte  einen weiteren Zauberwein herstellen. Und er behielt einen Teil der Tranche.
Aber er hatte ihn vielleicht zu früh gelesen, den Ertrag nicht ausreichend reduziert. Oder er vergaß den Wein während der Gärung, vielleicht weil Onkel Henry sein Leben mal wieder mit anderen Dingen belegte. Denn Onkel Henry sorgte auch gerne für Aufruhr auf seinem beschaulichen Chateau.
Nun ist der Wein dünn oder sauer, oder er zeigt Noten von vorzeitiger Alterung. All das sind Attribute, die ein Weintrinker nicht gern in seinem Glas hat, je ungeübter desto weniger. Da er nun aber da ist, muss er auch irgendwie getrunken werden. Monsieur Duflot hat sich an den Geschmack gewöhnt, seine Gattin ebenfalls.
Nur Henry hat ihn nie getrunken.

 

Wein im Film lässt sich nicht schmecken. Nicht riechen.
Es ließe sich beschreiben, doch in meinem Film war das nicht vorgesehen.

 

So öffne ich nun eine Flasche Bandol, die der junge Max zu Beginn des Filmes für seinen Onkel aussucht.
Es ist nicht der gleiche Wein.
Doch das überlasse ich meiner künstlerischen Freiheit.

2009 Domaine de la Suffrene, BandolDomaine_la_Suffrene_2009_grande
Mouvedre 55%, Grenache 20%, Cinsault 15%, Carignan 10%
18 Monate im großen Holz vergoren

In der Nase opulente Aromen von Unterholz, Leder, Backpflaume, schwarzer Olive, Bitterschokolade, Trüffel.

Am Gaumen Zwetschge, Dörrobst, eingekochte schwarze Früchte, leichte Mineralik.

Langer Nachhall mit sehr langen ausgeprägten doch weichen Tanninen.

 

Ich lehne mich zurück und genieße dieses kleine Weinwunder.
Und vielleicht sehe ich dabei einen Film…?

 

Die Weinrallye ist ein monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation schöne Themen aufzuarbeiten.
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2 Kommentare zu “Weinralley #83 – Wein in Film und Fernsehen

  1. liebe juliane,
    danke für diese „filmbesprechung“ – du schreibst mir aus der seele…
    als ich den film sah, war ich ein wenig enttäuscht – wegen der nicht ernsthaft weitererzählten geschichte der zwei flaschen – nun habe ich endlich einen schönen schluss – dank dir 🙂
    einen bandol hatte ich auch gleich parat – chateuau de pibarnon 2005 – ein traum an balance und ausdruck.
    “ eine schöne zeit “
    harald

    • Hallo Harald, ja den Pibarnon kenn ich auch. Und jetzt so nach 10 Jahren glaube ich Dir, dass er perfekt ist. Du hast in München DEN Experten für Bandol, das ist Dirk Lück, Inhaber der Weinhandlung Mein Weinreich in der Klenzesstraße. Er hatte früher einen Laden in Berlin und ich durfte bei ihm viel lernen.

      Freut mich, dass Dir mein Schluss gefallen hat. Endlich mal jemand, der das würdigt.
      Grüße, Juliane

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