Im Haus des Kranichs

Jagdschloss Kranichstein

Egon ruft an und sagt: morgen?Altes Telefon
Ich: ja morgen- und?
Hast Du morgen Zeit- ich möchte Dich entführen…
Wenn’s was zu essen gibt, dann herzlich gerne.
Sollte sein (ich sehe ihn wie immer ins Telefon schmunzeln)
Wir fahrn aufs Land, vergiss die Jacke nicht, sagt er, ich hole Dich ab…
Das mit der Jacke ist so eine Sache, denn Schönsein verbietet manchmal Jacken, Egon liebt es, wenn er mit mir angeben kann…Dazu passen schöne Schuhe und luftige Kleider, Jacken weniger….Nun denn.

Wir touren fröhlich durch die Stadt, ich achte plaudernd nicht auf den Weg, dann fahren wir auf einen Parkplatz,ein Nobelschlitten nach dem nächsten. Autsch, denke ich, hier sind wir falsch, doch das ist nur die Tagung nebenan.

restaurantterasse

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Einen kleinen Weg geht es nach oben zu einer Terasse auf einer Anhöhe.
Ein liebevoll restauriertes Renaissance Gebäude aus längst verflossenen Zeiten.
Ein Springbrunnen plätschert leise in der Mitte. Der Abend ist schon dem Sonnenuntergang nah, die Terrasse spärlich besetzt, zwei Paare, eine Dame allein, zwei Damen ins Gespräch vertieft und eine Gruppe von sechs Business Men, casual. Hier hält sich die einzig sichtbare Servicekraft auf, die uns zu würdigen aber nicht gewillt ist. Geduldig wartend stehen wir mitten in der Terasse. Egon liebt das: Auftreten und im Mittelpunkt sein. Ich wäre lieber schon an einem Tisch. Endlich naht Rettung in Form einer jungen Dame, die sehr charmant und liebenswert erscheint, doch offensichtlich hat sie hier noch keine Kompetenz, denn nun warten wir zu dritt auf die huldvolle Zuwendung des Herren im Service, der sich nach angemessener Zeit herablässt, mit uns zu sprechen. Egon wird angespannt. Ich seh es noch gelassen, wollen wir uns doch den Sommerabend nicht verderben.

Um es gleich zu sagen: es wird ein Abend mit Stoplersteinen.
Doch das Ambiente und die Küche waren es wert.

restaurant-kavaliersbau-darmstadt

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Die charmante Kellnerin (ich taufe sie hinfort die Azubine) schleppt erst einmal Gedecke an unseren Tisch, denn Egon hat sich den weit entferntesten ausgesucht, das hat er gerne.
So kann er den Überblick behalten und nach dem ersten Auftreten steht dann wieder der gemeinsame Abend im Vordergrund.
Die Speisekarte liest sich fantastisch…..wir haben schnell gewählt. Doch noch gibt’s keinen tropfen Wein an unseren Tisch, den Apero haben wir abgelehnt, denn wir wollen weiß und rot, irgendeinen Kompromiß muß man schon machen.
Die Weinkarte lässt auf sich warten, der Chef des Service winkt mit dem Buch am Businesstisch. Egon äußert die Befürchtung, es könnte nur dieses eine Exemplar anwesend sein. Dann kommt sie endlich – die Bibel!  Schön liest sich das, doch Eile ist angesagt, denn unsere Bestellung ist schon abgegeben.
Egon entscheidet sich für 2012 Terassen Grünen Veltliner DAC Reserve von Loimer aus dem Kamptal.
Ich warne ihn, dieser Wein wird unsere Vorspeise erschlagen…
Er will ihn trinken…und bis der Wein dann unsere Gläser erreicht, ist die Vorspeise längst abgetragen.
Zum zweiten Gang, den Trüffelnudeln, passt er perfekt.

Zum Hauptgang  gab’s dann ein Experiment aus dem Piemont:
2010 Roereo Vigna Mompissano Riserva DOC, Cantina Ca‘ Rossa– sensationell!

Und hier ist das Menü:

Sommersalat mit Jakobmuscheln und gebratenen Riesengarnelen
und
Bärlauchsuppe mit Wachtelei und Ochsenschwanz
***
Trüffelnudeln
***
Das Beste vom Schwein: geschmorter Bauch und Rücken mit Wurzelgemüse
***
Sorbet

***

Der Salat kam frisch und reichlich mit Gambas, sehr schmackhaftes Dressing.
Die Suppe war außergewöhnlich in Geschmack und Konsistenz, das Fleisch darin zerfiel auf der Zunge….
Die Nudeln waren unaufregend, handwerklich aber perfekt, dafür hatten wir schönen Wein.
Fleisch ganz großartig! Geschmort und gebraten, sehr auf den Punkt, hervorragende Sauce, das Gemüse eher singular, nicht so aufregend.
Egon hat das Sorbet inhalliert- sehr cremig.

Die Weine freuen unsere Gaumen, das Essen ebenso- hier ist ein Könner am Werk.
Die Stoplersteine waren der Neueröffnung geschuldet, denn wie ich später las, waren wir dort in Woche Vier nach der Eröffnung.

Dieser Artikel ist in der Schublade nach hinten gerutscht- und da nun wieder Sommer ist, passt er so vortrefflich!!!!
Ich war im Frühjahr 2015 wieder da – diesmal im schönen Gastraum drinnen. Der Service könnte noch ein bißchen zulegen, doch liebenswert sind sie. Die Küche hält, was sie verspricht!
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Das Zusammenspiel von Speise und Wein ist meine Passion.

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