Berlin für jeden Tag

Es muss ja nicht immer das ganz große Besteck sein.
Hier sind ein paar Empfehlungen für gutes, ehrliches Essen für alle Tage. Völlig subjektiv, aber mehrmals getestet.

Ein Gastbeitrag von Charlotte Gassert.    

 

Le Bon

Ein feines Kleinod mit einer der nettesten und herzlichsten Gastgeberinnen Berlins flankiert von einer kompetenten, freundlichen, unaufdringlichen Kellnerin. Die Atmosphäre ist lässig aber unprätentiös. Man fühlt sich ein bisschen wie in einem großen Wohnzimmer. Und ist willkommen!

Die Karte wechselt fast wöchentlich und bietet drei Vorspeisen, vier Hauptgerichte, zwei bis drei Desserts.

Rechte bei Joseph Kadow

Rechte bei Joseph Kadow

Die Tafel listet nur die Hauptzutaten der einzelnen Gerichte auf, der Service nimmt den Gast aber an die Hand und gibt weitere Erklärungen. Mein Tipp verlassen Sie sich auf die Weinempfehlungen! Gekocht wird international, wir sind ja schließlich in Kreuzberg, auf den Punkt zubereitet und ausgefallen in den Kombinationen, was einem ein wirklich außergewöhnliches Geschmackserlebnis beschert. Der Koch kann sowohl Fisch als auch Fleisch. Und hat eine Vorliebe für Miso, oft findet sich auch ein Risotto auf der Karte mit Gemüse, das eben grade Saison hat. Probieren Sie zum Abschluss die Crême Brulée! Sie werden sehr überrascht sein: mehr sei hier nicht verraten.

Le Bon / Boppstrasse 1 – Kreuzberg / +49 (30) 63420794 /
www.lebon-berlin.com / DI – FR Lunch 12:00 – 15.00 – Abendkarte ab 18:30 / am WE Brunch / U8 Schönleinstrasse oder M41 Graefestrasse

 

 

Föllerei

Ein kleiner schlichter Gastraum, vor der Türe ein paar lange Tafeln. Mehr braucht es nicht für die badisch-französische Glückseligkeit. Serviert wird moderne deutsche Küche, das Fleisch stammt aus artgerechter Haltung, die Produkte sind ökologisch und möglichst saisonal und regional. Der Zeitgeist will es so und das ist auch gut so.

Rechte bei Roman Kutzowitz

Rechte bei Roman Kutzowitz

Zur Vorspeise wird aus wirklich allem ein Carpaccio gemacht: Kohlrabi zum Beispiel oder Zucchini.

Sie können aber auch warm starten mit Spinat Crêpes oder Couscous Talern, die wechselnden Bratengerichte oder die Rostbratwurst auf Sauerkraut sind eines jeden Fleischessers Traum! Aber auch nicht Fleischesser kommen auf Ihre Kosten: gebackenes Gemüse mit Jus wird serviert und nein, es schmeckt nicht so langweilig wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört. Die Weinkarte bietet fast ausschließlich badische Tropfen aber der Clou ist natürlich das Föllerei-Bier, eigens für das Restaurant gebraut. Bio natürlich. Bierliebhaber schwärmen.

Föllerei / Weichselstrasse 30 – Neukölln / +49 (30) 60930276 / www.foellerei.de
MI – MO ab 18:00 / M29 oder M41 Sonnenalle-Pannierstrasse oder U7 oder U8 Herrmannplatz

 

 

DaJiaLe

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Rechte bei Felix Henke

Die Lage ist zugebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig. Die Goebenstrasse ist nicht die schönste Magistrale der Stadt, aber lassen Sie sich nicht abhalten. Sie sind hier richtig, für eines der besten chinesischen Lokale Berlins. Und es geht schließlich um das Essen, nicht um das Ambiente. Serviert wird die Dong Bei Küche aus dem Norden Chinas, welche von Russland, Korea und Japan beeinflusst wurde. Hier ist sogar die Kartoffel keine Unbekannte.

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Rechte bei Felix Henke

Die erste Hälfte der Karte ist chinesisches Essen angepasst für den westlichen Gaumen.
Die zweite Hälfte – mit Bildern vom Essen, mir stockte kurz der Atmen – füllen die nordchinesischen Gerichte.
Trauen Sie sich, sie werden es nicht bereuen!
Unsere Favoriten: Gurkensalat mit Chili Essig, pikant gebratene Kartoffelstreifen, eingelegter Chinakohl zur Vorspeise, Rindfleisch mit Kreuzkümmel und rotgebratener Wolfsbarsch als Hauptgänge. Dazu ein rotes Rollberg aus Neukölln und die Welt ist ein perfekter Ort.

DaJiaLe / Goebenstrasse 23 – Schöneberg / +49 (30) 21459745 /
www.dajiale-berlin.de
Tgl. ab 12:00 / U2 – Bülowstrasse oder M19 Mansteinstrasse  

 

 

Der Hahn ist tot

Hier müssen Sie nicht so viel entscheiden, manchmal kann das als Gast ja auch durchaus befreiend sein. Die Gastgeber nennen ihr Angebot Ländliche Menüs. Wer die deftige Landküche der Franzosen liebt, weiß, welche Freuden einen erwarten. Für 21 EUR bekommen Sie vier Gänge. Zwei Menüs stehen zur Auswahl bzw. wählen Sie die Vorspeise und den Hauptgang, Salat und Dessert sind bei beiden Menüs gleich. Für diesen unschlagbaren Festpreis müssen Sie allerdings ein bisschen mithelfen: die Suppe holen Sie sich vom Büffet, den Salat, der in einer großen Schüssel auf den Tisch kommt, bedarf noch des Dressings. Coq Au Vin findet sich immer auf der Karte und auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Es wird deftig gekocht, mit frischen und saisonalen Zutaten, ohne Schäumchen aber eventuell mit Sahnehaube. Eine solide ehrliche Landküche eben.

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Als Tüpfelchen auf dem I sozusagen sitzen Sie am Zionskirchplatz, einem der schönsten Plätze Berlins. Jeden Sonntag zur offenen Kirche 12:00 – 17:00 ist der Kirchturm geöffnet. Steigen Sie hoch, die Anstrengung lohnt sich. Sie werden mit einem der grandiosesten Blicke über Berlin entschädigt! Sie befinden sich hier auf der höchsten natürlichen Erhebung Berlins.

Der Hahn ist Tot / Zionskirchstrasse 40 – Mitte / +49 (30) 65706756 /
www.der-hahn-ist-tot.de
DI-SO ab 19:00 / U8 – Rosenthaler Platz oder M1 oder M12 Zinoskirchplatz  

 

 

 

Rio Grande

Es ist Sommer in Berlin und die Lage ist im Rio Grande schon Mal – fast – alles: der Blick auf Oberbaumbrücke und Fernsehturm ist schwer zu toppen. Man kann in Berlin kaum schöner und urbaner draußen sitzen und dabei auch noch gut essen. Oben tobt das pralle (Touristen) Leben. Aber ein paar Stufen hinab zur Spree und Sie sind weit weg von all dem. Irgendwann müssen Sie allerdings wieder auftauchen. Und – Sie sind nicht allein. Das Rio Grande ist bei Einheimischen und Besuchern sehr beliebt. Falls Sie sich über den Namen wundern: die Spree trennte ja Ost und West Berlin, der Rio Grande ist der Grenzfluss zwischen Texas und Mexiko. Ein Name mit Tiefsinn.

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Rechte bei Berlinger-Schweitzer-Betriebs GmbH

Serviert wird alpenländische Küche. Wiener Schnitzel, Rindergulasch sowie eine saisonale Karte, mit dem, was auf dem Markt eben momentan im Angebot ist. Es wird ambitioniert aufgekocht ohne die Verwurzlung in der österreichischen Heimat der Betreiber zu verleugnen. Die Weinkarte ist überschaubar aber mit Verstand kuratiert. Der Service ist freundlich und verliert im Allgemeinen auch an hektischeren Abenden nicht den Überblick. Gast, was willst Du mehr? Wenn Sie mögen kommen Sie zum Frühstück wieder.

Rio Grande / Mey Ayim Ufer 9 – Kreuzberg / +49 (30) – 61074981 / www.riogrande-berlin.de/
Tgl. ab 10:00 / U1 – Schlesisches Tor

 

 

Der Inhalt dieses Beitrages ist verantwortet von Charlotte Gassert. Sie isst und trinkt jedoch in meinen Geschmacksmustern. Und ich danke der unermüdlichen Gastautorin für ihre Fundstücke.
Nachtrag Dezember 2016:
Meine Gastautorin hat inzwischen einen eigenen Blog Fortsetzung Berlin über das etwas andere Berlin.
Sehr lesenswert.

  

 

 

2 Kommentare zu “Berlin für jeden Tag

  1. Charlottes Berlin-Beiträge sind eine echte Bereicherung für den Blog! Entdeckungen und Fundstücke aus der Hauptstadt, denen man gern auf den Grund geht. EinfachWein wird von Woche zu Woche noch ein Stück besser. Reinzuschauen ist immer ein Gewinn.

    • Danke, Klaus für diesen Kommentar. Ich freu mich sehr, dass Charlotte sich zu dem Wagnis aufgemacht hat, für diesen Blog datailliert zu berichten.
      Hier eine kurze Auswahl aus Kommentaren der Beschriebenen:


      Was für ein toller Beitrag, Frau Gassert, vielen herzlichen Dank! Bin ja fast ein bisschen rot geworden beim Lesen…
      Dann freuen wir uns auf Ihren nächsten Besuch!
      Johanna Schellenberger

      Liebe Frau Gassert,
      vielen herzlichen Dank für die die schönen Texte und Empfehlungen!
      Mit besten Grüßen, Matthias Meyer

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