Weinrallye #100. Das Jubiläum. Wein trinken an schönen Orten

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Jubiläum

Die Weinrallye hat Geburtstag. Sie wird hundert.
Sie ist eine alte Dame und manchmal zickig, sie ist auch eine Institution, die so einiges an Auf und Ab erlebt hat.
Oft totgeschwiegen, dann wieder hervorgeschrieben.

Ich bin erst seit #80 dabei, kann mich also der Historie nicht rühmen. Das liegt nun einfach daran, dass es zuvor meinen Blog noch nicht gab. Nach anfänglicher Nachlässigkeit, die einfach der organisatorischen Vielfalt geschuldet war, gehöre ich nun seit #87 zum festen Kern, habe die Rallye auch zweimal ausgerichtet und darauf bin ich stolz.

Zur Jubelausgabe hat Thomas Lippert ausgerufen vom Winzerblog,
Gründer und jahrelanger Admin.

 

Und er hat das Thema weit gespannt: 100 Punkte Wein, Hausnummer 100…oder einfach eins der alten Themen.
Mir gefällt diese Variante, ein altes Thema hochholen zu können, denn meine Idee für die Hundertste war ein „Best off“.
Und so habe ich mir ein Thema ausgesucht, das ich gerne mitgeschrieben hätte,
aber damals war ich noch nicht dabei.

 

Zwei für eins

Und ich habe mir noch eine Besonderheit ausgesucht. Dies ist ein Doppelbeitrag von Torsten Hammer und mir,
der bei der #98 „Wein küsst Kulturerbe“ ganz ohne Absprache meinen Text als Ball aufnahm, weiter spielte und eine Punktlandung hinlegte.

Dieses Mal schreiben wir nun also verabredet gemeinsam.
Und da Torsten Hammer Weinhändler und Priorat Experte ist, verkosten wir natürlich gemeinsam Priorat.

 


Wein trinken an schönen Orten
Thema der Weinrallye #76IMG_0687

Ich habe einen Sehnsuchtsort. Das ist eine kleine Stadt auf der Insel Mallorca, die viel viel mehr zu bieten hat als Ballermann & Co. Sie ist reich an schönen kleinen Orten und Plätzen,IMG_0683 die Landschaft im Norden ist geprägt von einem imposanten Gebirge, die Inselmitte gesegnet von fruchtbarem Lehmboden mit Landwirtschaft und flachen blütenumwobenen Ebenen, der Süden punktet mit seinen Steilküsten und ist nicht weniger attraktiv. Der Westen ist das Eldorado der Reichen mit großen Yachthäfen. Dennoch gibt es auch dort schöne Flecken.

Es würde hier nun zu weit führen, über die Geschichte, die ewigen Besatzungen zu referieren oder auch über die Hintergründe der Piraten- und Schmugglerwelt, die die Mallorquiner sich in den Jahrhunderten aufgebaut haben. Die Schönheit der Insel täuscht oft über ihre Zerrissenheit hinweg.

Ich habe einen Sehnsuchtsplatz. Der ist ein Haus im Norden Mallorcas mit einer sensationellen Dachterrasse.
Blick auf das Dorf mit Hausberg und Gebirge inklusive.
Dieses Haus gehört Rufus Katzer, Ex Journalist und  Autor von spannenden Krimis, die mit Witz und Sprachgewalt hintergründig und in schnellem Tempoquer über die Insel fegen.

Und ich gehöre zu den wenigen Menschen, die seiner Gastfreundschaft sicher sind.

Hier habe ich schon manch guten Tropfen geleert. Umgeben von Schönheit und Stille.

 

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Wein trinken an schönen Orten
Die Verkostung

Nun trinken wir also gemeinsam auf  mallorquinischer Dachterrasse in PollencaWIN_20150821_054648Malle Drei
und am Hohen Elbufer bei Coswig.
Das Thema ließe sich erweitern auf:
Schönen Wein trinken an Schönen Orten.
Hier sind unsere Eindrücke.

 

IMG_31462012 Lo Coster Blanc
Grenache Blanc, Macabeo
Sangenis i Vaque, Priorat
€ 24,00

Weinbeschreibung

Honiggelbe Farbe.
In der Nase Vanille, geröstete Haselnüsse, Brioche, geröstetes Toastbrot, zu Beginn noch animalisch, etwas Gummi, leichter Graphit und Teer, der sich an Tag zwei und drei verliert. Später gesellen sich ein Hauch von Orangenceste, Rosinen und reife Mango dazu.

Am Gaumen weicher Auftakt von Röstaromen, Lack, Waldhonig, Vanille, Muskat, Harz,
leichte Adstringenz wird abgelöst von reifen gelben Früchten, Litschi, Nüssen.

Enorme Länge im Nachhall, man spürt kurz den Alkohol, dezente sehr balancierte Säure als Gerüst, nussiges toastiges finish mit etwas Graphit. Sehr ausgewogen.

 

Achtung barrique möchte ich sagen. Der Coster wird sowohl im Fass vergoren als auch ausgebaut. Dennoch seltsam trinkig bei all seinen vielen Facetten.
Das ist Ausnahmewein. Er hat nichts, was mir als Riesling und Weißburgunderfan gefallen sollte. Und doch könnte ich die Flasche auch solo mit großem Genuss leeren.

Speisenempfehlung

Vacharin Mont d’Or leicht erwärmt mit Schwarzbrot und Mangochutney;
Raclette mit geschmorten Schalotten, Violettkartoffeln, Jamaicapfeffer;
Gegrillte Garnelen in Knoblauchöl und frittierte Artischocken;
Gebratene Seezunge in Weißwein-Speckschaum, frittierter Rucola, Kartoffelstampf mit Garnelen;
Seeteufel, im Ofen gegart, mit gebratenem Bambus und Korianderpesto, getrüffelter schwarzer Reis;
Roulade vom Curry-Huhn mit gebratenem Topinambur und Rösti.

Anmerkungen von Torsten Hammer

In den ersten Jahren gab es von diesem Wein nur um die 300 Flaschen jährlich, inzwischen ist es etwas mehr geworden. Eine klassische Cuvèe aus Grenache Blanc und Macabeu,. Vergoren werden die Trauben im neuen Holzfass, 300 bzw. 400 l je nach Umfang der Ernte, französische Eiche, leicht getoastet.
Nach dem Gärprozeß wird das Fass gesäubert und der Wein kommt wieder dort rein für 4 bis 8 Monate – je nach Jahrgang.
Ein Projekt übrigens von Maria Sangenis, der Tochter von Pere Sangenis, die als Önologin in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist.

 

IMG_31372012 Petit Clos Penat
Grenache, Syrah
Jordi Domenech, Priorat
€ 14,00

Weinbeschreibung

Purpurfarbe.
Die Nase ist reich an Aromen von Teer, Kaminrauch, Zigarrenblättern, Cassis, Espressopulver, geröstetem Schwarzbrot, Liebstöckel, etwas Jod, Bitterschokolade, später gesellen sich Räucherschinken, Pfeffer, getrocknete Waldbeeren dazu.

Am Gaumen kräftiger Auftakt von Cassis, Bittermandel, Zigarrenkiste. Auskleidende Tannine abgelöst von Eukalyptus, Liebstöckel, Toast, getrockneten Waldbeeren, Zartbitter, Zimt, Espresso.

Langer Nachhall mit kräftiger würdevoller Tanninstruktur, wenig Frucht, toastig, rauchig.

 

Die „junge Tanninbombe“(Zitat TH) ist eine spannende Angelegenheit, denn es lässt sich viel entdecken. Ich habe den Wein über 8 Tage verkostet. Will man ihn trinkreif haben, sollte er 24 Stunden geöffnet  sein. Er ist kaum ein Solist, eher ein verlässlicher Speisenbegleiter.

Speisenempfehlung

Rauchmandeln, frittierte Auberginen, geräucherter Schinken, gebratene Sardinen,
marinierte Gemüse, Tomaten-Chilipesto, Kräuterbaguette;
Surf & Turf vom Rinderfilet mit Brokkoli, Cashewkernen, getrüffeltem Kartoffelbaumkuchen;
Grillfleisch aller Arten mit Backkartoffeln, gegrilltem Gemüse, Oliventapenade, Kartoffelsalat mit getrockneten Tomaten;
Schweinefilet unter einer Kräuterkruste, geschmorter Kürbis, getrüffeltes Kartoffelgratin;

Anmerkungen vom Torsten Hammer

Der Winzer Jordi Domènech kommt aus Poboleda und nimmt teil am Kampf um den kleinsten Keller im Priorat – eine wahre Garage… Er ist noch recht jung, hat aber gleich mit seinem ersten Jahrgang 2009 aufhorchen lassen. Den 2009er Clos Penat gibt es auch bei mir, ich hatte davon die letzten Kisten sichergestellt, nachdem ich merkte, wie gut das Zeug ist. Er unterscheidet sich vom Petit Clos Penat nur durch längeren Ausbau im Barrique und er ist ein wenig teurer, hat aber ein ebenso gutes Preis – Genuss – Verhältnis wie dieser „kleine“ Wein, der aber auch schon so manchem teureren das Fürchten lehrt.

 

IMG_31282010 Pater
Grenache, 8-10 Jahre alte Reben
Ficaria Vins, Montsant
€ 25,00

Weinbeschreibung

Granatrote Farbe.
Die Nase öffnet sich nur langsam wird dann aber reich an Aromen von Schwarzkirsche, gebrannten Mandeln, Nougat, Rumtopf, kaltem Rauch, Butterkuchen, Zigarrenblätter, Brennessel, Flieder, getrockneten Datteln.

Am Gaumen Auftakt von weichen Fruchtaromen untermalt von leicht aufblitzender Säure,  Nougat und Beerenmarmelade, Schwarzkirsche, geröstete Kaffeebohnen, gebrannte Nüsse, weiche auskleidende Tannine, Dörrobst.

Im Nachhall lang mit anhaltenden weichen Tanninen und guter Balance von reifer Frucht.

Der Pater ist ein würdiger und typischer Vertreter des Priorat. Jetzt mit seinen 6 Jahren perfekt trinkreif, sehr weich und charmant. Auch hier empfiehlt sich ein Tag des Öffnens. Dieser Wein lässt sich auch herrlich speisenlos mit Gleichgesinnten genießen.

Speisenempfehlung

Vorspeisenvariation mit Entenpaté, Leberwurst, Mortadella, mariniertem Gemüse und Pilzen, mittelaltem Käse, Pflaumenchutney;
Gebratene Steinpilze mit Petersilien Creme fraiche, Speckpolenta;
Rehragout, Cranberries, Rosenkohlpüree;
Kalbsgulasch mit Majoran, Rote Beete Salat, Kartoffelgratin;
Rinderroulade, gefüllt mit getrockneten Tomaten, Kaiserschoten, Selleriepüree

Anmerkungen vom Torsten Hammer

Ich mag Jaume einfach sehr, nicht nur seiner tollen Weine wegen, sondern auch wegen seiner gastfreundlichen und einnehmenden freundlichen und zugleich bescheidenen Art. Seit 2004 macht er tolle Weine, die für mich mit zum Besten im Montsant gehören. Das Montsant ist die Appellation, die sich wie ein U um das Priorat legt. Hier haben wir gleiche Trauben wie im Priorat, aber andere Böden. Während man im südlichen Teil des Montsant auch günstiger produzieren kann, weil es weniger steil und kleinteilig zugeht, sind die Bedingungen im sehr hoch gelegenen La Figuera ähnlich schwierig wie im gebirgigen Priorat.
Du siehst auf dem Rücketikett seit einigen Jahren, wie viele Flaschen er von dem Wein gemacht hat und auch, welche du gerade trinkst.
PS: Ich trinke Flasche 117 von 1162.

 

Wein trinken an schönen Orten
Das  Fazit

Die Priorat Weine brauchen Zeit und vor allem Weinberatung.Malle Vier
Danke Torsten für Deine gute Auswahl der Weine!

Wein trinken an schönen Orten ist ein Thema der Gemeinsamkeit.
Vielleicht kann ich so manchen meiner Leser dazu animieren?

Zusammen schreiben will geübt sein, doch diese Interaktion hat mir Freude bereitet.

Danke Rufus Katzer für Deine Dachterrasse!

 

Das Zusammenspiel von Speise & Wein ist meine Passion.

 

Der Blogbeitrag von Torsten Hammer
WIN_20150821_054236Hier geht’s zu Torsten Hammer’s WIN_20150821_054216Prioratweinführer
Dort findet Ihr auch die Weine, die wir getrunken haben
Mein Beitrag zu Torstens „10 years after“ Verkostung in 2015

 

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Hier geht’s zu Rufus Katzers Büchern

 

 

 

Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderer Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation, schöne Themen aufzuarbeiten. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Auch bei den Kollegen vom Weinforum kann man seine Beiträge einstellen.
Bitte verlinkt Eure Beiträge in der Facebookgruppe Weinrallye, im Anschluss erscheint dann bei Facebook und auf dem gastgebenden Blog die Zusammenfassung.

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Weinrallye #100. Das Jubiläum. Wein trinken an schönen Orten

  1. Ja die Dachterasse von Rufus Katzer ist definitiv ein Sehnsuchtsort – ich freu mich schon auf Weihnachten. Danke auch für die interessanten Weine – man kommt aus dem Probieren ja gar nicht mehr raus.

  2. Rufus Katzer dankt für die schmeichelhafte Erwähnung. Immer vor der Wahl, im Rotweinglas oder im Mittelmeer zu ertrinken, hat er sich derzeit für das Meer entschieden und trainiert fleißig seinen ersten Kajakmarathon von Pollensa entlang der Steilküste zum 40 km entfernten Sa Calobra. Sollte das gelingen, ist unbedingt wieder ein edler Tropfen auf seiner Dachterrasse mit Blick über das Städtchen angesagt. Natürlich Seite an Seite mit Juliane, die das Gewächs aussuchen muß.
    Wenns schief geht, dürfen auf der Terrasse ein paar würdige Nachreden gehalten werden. Legere Sommerkleidung erbeten.

    • Na ich würde mit der Grabrede dann noch etwas warten und auf den Marathon bei Sonnenuntergang das Glas erheben.

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