Träumende Etiketten und Tanzender Wein. Le Marie.

Wein und Speisen. EinfachWeinNehmen wir mal an, es gibt einen Gourmet, der ein Wein Aficionado ist.
Nehmen wir mal an, dieser Mann reist gerne und viel, um seiner Leidenschaft frönen zu können.
Nehmen wir mal an, der Mann hat einen Spiegel, einen Zwillingsschatten,
der mit einem Partner einen Weinladen betreibt.
Nehmen wir mal an, dieser Mann findet außergewöhnlichen Wein.
Er hält eine kurze Rücksprache mit seinem Schatten.
Er spricht mit dem Winzer.
Nehmen wir weiter an, der Winzer mag unseren Mann und findet ihn sehr kompetent.

 

In diesem Augenblick wenden wir uns von Annahme zur Tatsache.
Der Winzer willigt ein, und unser Mann wird zum Vermittler. Er kauft.
Die Händler werden die Einzigen, die diesen Wein in Deutschland führen.


Gestatten vorstellen zu dürfen: Le Marie.

Es ist Herbst. Unser Mann ist auf dem Weg in das Piemont, in einen kleinen Ort namens Barge.
Er ist gerne in Italien, was auch daran liegt, dass seine Gattin Italienerin ist. Sie hat ihm ein Überraschungswochenende geschenkt. In Barge. Einer der nördlichsten Orte in der Provinz Cuneo, weinbautechnisch in die DOC Pinerolo gehörend, das nördlich von Barge liegt.

Sie werden erwarten im Hotel Alter.
Dort soll es ein Gourmetmenü mit Weinbegleitung geben.
Von außen ist das alte Bauwerk eher unscheinbar.
Aber von innen modernstes Design, viel Luft und Extravaganz.
In anderen Jahrhunderten war hier auch einmal eine Postfuhrstation.
Heute gibt es in dem Hotel eine Garage von Oldtimern, die auch zu mieten sind.
Auf Wunsch auch mit kulinarischer Begleitung.

Wein und Speisen. EinfachWein

Das Wetter ist schlecht. Das Hotel beherbergt dennoch einige Gäste.
Nur das Restaurant ist leer.
Ein Paar sitzt da, das sich aber bald verabschiedet.

So sind sie nun an diesem Abend die einzigen Gäste.
Oh, denkt unser Mann, da wird die Küche so richtig „Lust auf Gourmet“ haben.
Und weitere Befürchtungen kreuzen seine Gedanken. Werden die dann alle Stunde mal vorbei kommen, um nachzuschenken, immer dann, wenn sie einen neuen Gang servieren? Es wird ihm mulmig, denn er hat Wein lieber in seiner Nähe. Gourmet hin oder her, aber zu kleinteilig mag er es auch nicht.

Der Abend beginnt. Der Küchenchef höchst selbst serviert den ersten Gang mitsamt dem Wein.
Eine kurze Erklärung, die muss sein, aber gerade in verträglicher Länge für unseren Mann.
Der Küchenchef freut sich über das Interesse seiner Gäste, zumal er ja mit der italienischen Gattin perfekt parlieren kann. Und lässt die Flasche auf dem Tisch. Entspannung macht sich breit. Das Essen ist gut und reichlich, man besteht im Piemont gerne auf seiner lokalen Tradition. Die Weine sind es auch. Gang um Gang geht das Spektakel und am Ende setzt der Küchenchef sich zu dem Paar.
Es wird ein rundum gelungener Abend.
Drei der Weine, die kredenzt wurden, stachen besonders hervor: es waren Arneis, Nebbiolo und Barbera.
Alle drei vom selben Weingut. Unser Aficinado sagt, er würde diese Weine gerne kaufen. Für sich und seine Frau zuhause. Entgegnet der Küchenchef: warum geht ihr nicht einfach gleich zum Weingut, ist 800m von hier entfernt.

Das Paar verlängert seinen Aufenthalt um einen Tag.
Am nächsten Morgen sind sie schon da.

 

Bei Le Marie.Le Marie.EinfachWeinLe Marie. Weinbeschreibungen. EinfachWein
Weingut der Familie Raviolo in dritter Generation.

Auch hier von außen zunächst ein altes Gemäuer.
Herzlicher Empfang der Winzerfamilie, diese besteht aus Valerio  in zweiter Generation mit seiner Frau und Sohn, der gerade Anfang zwanzig ins Weingut einsteigt.
Der Keller dagegen ist modernstes Design: Stahltanks, blitzsauber. Allerdings immer wieder dazwischen altes Gerät. Und einen Stock tiefer finden sich die Fässer. Großes Holz aus österreichischer Eiche. Dort hat der Wein dann Zeit, jahrelang zu reifen.

Sie probieren und bewerten. Die Stimmung ist fröhlich und professionell.

Zur Mittagszeit zaubert die Winzerfrau eine kleine Vesper mit kräftiger Salami und frisch gebackenem Brot. Und dazu gibt es leicht gekühlt Bonarda.
Eine autochtone rote Rebe, die moussierend mit Zwetschgen und Majoran Noten punktet, leichte Säure vorweist, feinen Fruchtaromen aber wenig Tannin besitzt. Ein Wein, der an Lambrusco in seiner besten Art erinnert.

Der Winzer scheint ein Individualist. Sehr qualitätsbetont, aber nicht dem weltweiten Wettrennen hinterher.
Sie erfahren, dass er ausschließlich die gehobene Gastronomie beliefert.
Und ab Hof verkauft. Der Weg in den Heidelberger Weinladen ist nun neu.
Aber es wird eine Freundschaft und eine gute Verbindung.

Wie die Verbindung zum Gestalter ihrer Etiketten.
Eines Tages entdeckt Valerio Raviolo den lokalen Künstler Mario Borgna.
Es braucht nicht viel Überzeugungskraft. Borgna entwirft für Raviolo neue Etiketten.

Leider ist der Künstler inzwischen verstorben.
Doch die Etiketten werden weiter tanzen.
Sie illustrieren Weine von großer Kraft und Eigenheit.

 

Hier die Details über Le Maries Weine, die allesamt hervorragende Speisenbegleiter sind.

 

2014 Blanc de LissartBlanc de Lissart Malvasier, Le Marie
Malvasier
€ 9,70

Nase: Holunderbeere, Rosen, Cassis, Litschi, Veilchen
Gaumen: Auftakt von Litschi und Holunder, kurzes Aufblitzen von Säurespitzen, Rosen und Veilchen, laktisch, Cassis, Grapefruit, nussig
Nachhall: kräftige Fruchtstruktur umrahmt von mittlerer Adstringenz

Der Wein ist solo schwer zu genießen, denn die Aromenfülle ist sehr stark.
Malvasier wird normalerweise als Süßwein ausgebaut. Dieser hier ist trocken.

 

Speisen: Lasagne, Aufläufe, Cesar’s Salad mit Schinkenchips, Kabeljau mit Chorizo, Raclette, mittealte Käse, Schokoladendesserts

 

SantAgostino Arneis Le Marie- Hollatz2014 Sant‘ Agostino
Arneis
€ 8,70

Nase: Zitrus, grüner Apfel, Litschi, Estragon, Schale von Pink Grapefruit, Haselnüsse als Hauch
Gaumen: Grapefruit, Limettenschale, Maracuja, Stachelbeere, viel Schmelz, fast saftig, etwas Haselnuss, Brioche, leichte Adstringenz mit Rauch
Nachhall: schöne Verbindung von Frucht und leichter Säure. Gute Länge. Schmelz

Ein sehr zarter und doch von seiner Eigenheit geprägter Wein

Speisen: Risotto mit Limette und Zander, pochierte Fische mit Safran und Herzoginkartoffeln, Pasta mit Gemüse, Vitello Tonnato

 

Bonarda - Le Marie
2014 Bonarda
€ 7,50 – nicht immer verfügbar

Nase: Zwetschge, etwas Äste
Gaumen: feine Aromen der Zwetschge werden ergänzt von cremiger Säure und Majoran
Nachhall: recht kurz, süffig in dunklen Fruchtaromen

Leicht moussierend. Keine Tannine. Unkompliziert.

Speisen: Vesper, kräftige Salami, milder Käse, Pilze, dunkles Brot

 

 

2012 DolcettoDolcetto Le Marie- Hollatz
€ 8,30

Nase: Sauerkirsche, Pflaume, Tabak, Brombeere, Äste
Gaumen: Auftakt mit kleinen Fruchtaromen, gefolgt von frischer Säure. Sauerkirsche mündend in Pflaume und Brombeere, etwas Tabak
Nachhall: mittellang, gutes Säure Fruchtspiel, mäßige Tannine

Leicht gekühlt herrlich zu trinken.

Speisen: Paella, Tortellini mit getrockneten Tomaten & Salbeibutter,
Lotte gebraten mit Kräutern und Öl, Kalb mit Oliven

 

Debarges Nebbiolo, Le Marie - Hollatz2012 Debarges
Nebbiolo
€ 9,50

Nase: Zigarrenrauch, Jamaica-Pfeffer, Sauerkirsche, Marzipanbrot, Jod, Brennessel, Waldbeeren, Kakao, leichter Rumtopf
Gaumen: weicher Auftakt von Kirsche und Heidelbeere, abgelöst von feiner Säure, kurze Adstringenz, Aromen von Krokant, Zigarrenblättern, Toast
Nachhall: mittellang mit zartem Fruchtfinish, weiche aber präsente Tannine

Filigraner Wein mit guter Gesamtstruktur.

Speisen: Schweinelende mit Grünkohl und Püree; Geschnetzeltes vom Schwein, asiatisch, mit Sesam, Soja, Curry, Polentakrapfen; Ragout vom Reh oder Hasen mit Topinambur

 

Barbera, Le Marie - Hollatz2013 Barbera
€ 9,70

Nase: Schwarzkirsche, Pfeffer, Heidelbeere
Gaumen: üppige Fruchtaromen zu Beginn gefolgt von leichter Säure, Noten von Thymian, Pfeffer, Bitterschokolade, Kaffee
Nachhall: kräftige Frucht und weiche Tannine, mittellang

Braucht Luft und noch etwas Zeit, der Wein ist sehr jung, hat aber ein sehr gutes Potential!

Speisen: Steaks, Wild, gebraten, Cranberries, Brokkoli, Schoten; kräftige Wurst & Käsesorten

 

Colombe Barbera Le Marie - Hollatz

 

2012 Colombé
Barbera der Lage DOVES
Ausbau über drei Jahre in österreichischer Eiche.
€ 12,50

Nase: Schwarzkirsche, Preiselbeeren, Nougat, Pfefferkörner, Eukalyptus, trockene Erde
Gaumen: Auftakt von kräftiger Kirsche, mittlere Säure, Preiselbeeren, Heidelbeere, kräutrig, etwas Rauch, Nougat, Kakaopulver
Nachhall: lang mit weichen Tanninen, guter Säurestruktur, weich, Beerenfinish

Elegant, dicht aber filigran. Unbedingt lüften, um die Säure auf ihren Platz zu verweisen!

 

 

Speisen: Lammrücken mit Kräuterkruste, bunten Bohnen, Kartoffelbaumkuchen; Lammkotelettes, Jus, Kaiserschoten, Selleriepüree; Gnocchi mit Ragout vom Hasen;
Wachtel mit Kräuterfüllung im Rosinensud, Preiselbeeren, Topinambur

 

 

Colombe, Le Marie - Hollatz

Die Weine gibt es exklusiv in Deutschland bei Feine Weine in der Weststadt

Hier geht‘s zum Weingut Le Marie

Hier geht’s zum Hotel Alter

Dank an Joachim Hollatz für die Überlassung der Etiketten Fotos

Das Zusammenspiel von Speise & Wein ist meine Passion.

 

4 Kommentare zu “Träumende Etiketten und Tanzender Wein. Le Marie.

  1. Liebe Juliane,
    Deinen Bericht habe ich quasi zum zweiten Frühstück regelrecht verschlungen !
    Danke für die 15 Minuten Kurzurlaub – ich fühlte mich mit am Tisch…
    So geht ein Besuch im Piemont im besten Fall. Fantastisches Essen mit schönen Weinen und
    mit Menschen, für die ein Leben mit guten Lebensmitteln selbstverständlich ist.

    Zum besten Ende noch Deine, wie immer schönste Weinbeschreibung… so wird die Sehnsucht perfekt geweckt.

    Herzlichen Dank !
    Harald

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