Das Quartett aus Mundklingen

Alte Lage und anfängliche Skepsis

Riesling MundklingenMundklingen. Eine alte Lage am Hang zwischen Seeheim-Jugenheim und Darmstadt.
Wer sich nicht auskennt: das ist die Hessische Bergstraße.
Wechselweise mit der Ahr und Saale-Unstrut das kleinste Anbaugebiet Deutschlands.
Aber bei weitem das Unbekannteste.

Doch die Lagen ranken sich unweit des wohl bekanntesten Gebäudes an der Bergstraße, dem großen Klotz, den jeder, der mal auf der A5 gefahren ist, gesehen hat: das Tagungshotel der Lufthansa in Seeheim.

Die Einzellage „Seeheim Mundklingen“ geht auf den Vater von Martin Weiß zurück, einem Winzer, der Pate stand beim Zusammenschluss der WeinGenussschaft Mundklingen.

Zugegeben, ich war skeptisch. Denn die ersten verkosteten Weine hatten eine Bandbreite von sensationell bis zu verhalten. Ich hatte von dem Weingut über einige Ecken gehört. Da es in der Nähe ist und von einem quereingestiegenen Team betrieben wird, sah ich doch schon die Geschichten lauern.

Aber der Wein muss stimmen. Sonst taugen die Geschichten nichts.

Ich bestellte mir also eine Auswahl und blieb ratlos. Gewürztraminer in leichter und doch ganz typischer Form, feine Rosen und Muskattöne. Sehr gut gemacht. Eine Spätburgunder-Cabernet Cuvée, die sich sehen lässt und dem filigranen Spätburgunder zu seinem Recht verhilft. Eine weitere Rote Cuvée aus Cabernet Züchtungen auch sehr gelungen. Aber die Rieslinge. Die schienen nicht balanciert, vordergründige Säure verschreckte die Aromen.

Teilte meine Meinung dem Weingut mit und erntete höfliche Verhaltenheit aber immerhin die Einladung, doch einfach mal vorbei zu kommen.

Das tat ich dann. Monate später. Ostern war eine gute Zeit für einen Besuch.

 

Erster Besuch
Die Probierstube

Weingenusschaft MundklingenEine alte Bäckerei, fast fährt man vorbei, doch dann im Fenster zeigt sich das Logo des Weinguts.
Ich steige drei Stufen empor und befinde mich in einer gemütlichen Stube mit einem langen Tisch. Am Ende des Raumes prasselt Feuer im Kamin. Volker, der bislang mein Ansprechpartner war, begrüßt mich herzlich. Freut sich, dass ich endlich den Weg gefunden habe. Es dauert nicht lange, da füllt sich die Stube mit Stammkundschaft und Freunden. Und ich lerne das Quartett kennen, das hinter den Weinen steht.

Probierstube MundklingenDa ich mal wieder die einzige bin, die hier mit Block und Stift hantiert, werde ich mit anfänglich mit Respekt behandelt. Doch mit Kollege Olli schmilzt das Eis sehr schnell. Olli, der Helfer und der geborene Verkäufer, spricht über die Mundklinger Weine, als wären sie schon immer da gewesen. Er kennt die Jahrgänge, die Entwicklung innerhalb des Jahres, die Veränderung auch in der Flasche.

Und siehe da, der Primitivo hat sich aufgemacht. Doch davon später mehr.

 

Ich koste Riesling Secco, das ist ein guter Auftakt. Unkompliziert mit leichten Holunder und Fliedernoten, etwas Muskat, gute Perlage für einen Frizzante.

Zunächst lerne ich noch Christian, den Designer der wunderbaren Etiketten kennen, der hier ein gutes Statement Probierstube Mundklingen Kassegeschaffen hat. Die Anfangsbuchstaben der Rebsorten in klarer Schrift
und unterschiedlichen Farben. Etiketten ganz nach meinem Geschmack.
Er hat auch eine klare strukturierte homepage für die Weingenussschaft Mundklingen gestaltet.
Er verabschiedet sich nach kurzer Zeit und gehört nur am Rande zum Quartett.

Nun erscheint Michael, der Kellermeister, wenn hier solche Bezeichnungen zulässig sind.
Er scheint aber in der Tat derjenige, der sich am meisten in die Materie des Weinmachens hinein gedacht, gelesen, gefragt hat.
Spricht über Ertragsbegrenzung, Säuregehalte, Lesezeitpunkt. Und wie wichtig es war, dass sie sich letztes Jahr eine Kühlung anschaffen konnten für die Tanks. Denn die Lese bei zunehmender Hitze ist schon schlimm genug für die Trauben, es braucht Kühlung, um die sofort beginnende Gärung steuern zu können.
Das ist gerade beim Rotwein wichtig, um Marmeladentönen vorzubauen.

 

Zurück zu den Anfängen
Von Ungarn zum Hausweinberg

Michael, der gern in Ungarn ist, denkt lange darüber nach, dort einen Weinberg zu pachten. Ein Kamikazeunternehmen, wie er heute sagt. Denn als Nebenerwerbswinzer kann man sich keine Abwesenheiten leisten. Und dann will es der Zufall, dass der befreundete Winzer Martin Weiß eine Parzelle zu verpachten hat. Michael und Volker schlagen zu. Das ist 2007.

Und weil sie, wie sich schnell herausstellt, einen Hang zu alten oder unbekannten Rebsorten haben, wird ihre erste Pflanzung Acolon. Den haben sie inzwischen in einer weiteren Parzelle vermehrt gepflanzt. Eine gute Entscheidung. Es ist ein sehr gelungener Rotwein, den die Kundschaft schätzt.

Aus Ungarn kommen nun Möbel für den Verkostungstisch im Weinberg. Und  ihre Hunde.
Ein guter Tausch.

Es ist und bleibt eine Geschichte der Zufälle. Genau wie meine Reise hier an diesen Ort.
Sie sind und bleiben Freunde und sie wollten Wein machen. Das war das Ziel.
Volker kennt Uwe und Olli aus Kindheitstagen. Sie sind begeistert von der Idee.
Und so formiert sich das Quartett.

 

Erweiterungen
Zufälle sind auch die Möglichkeiten ihrer stetigen Vergrößerung.

Volker Gradwohl MundklingenWas zunächst als Laienprojekt begann, wurde schnell größer.
So berichtet Volker, der sich um Vertrieb und Buchhaltung kümmert.
Wenn er nicht gerade im Weinberg arbeitet wie alle anderen.
Irgendwann dachten sie, eine Rebsorte allein mache wohl noch keine Probe, also wollten sie weitere Reben pflanzen. 2010 ergibt es sich, dass das Grundstück gegenüber ihrer Parzelle zu pachten ist.
Und zack wird Primitivo, Roter Riesling (eine farbliche Mutation des Riesling) und Traminer angepflanzt.

2012 pachten sie eine weitere Brache. Und pflanzen erneut Roten Riesling.

2013 im Frühsommer brennt der Hof von Martin Weiß.
Die Weine sind zwar zu retten, auch die Tanks, vieles andere, auch die Presse, ist Opfer der Flammen.
Der Winzer spricht von aufgeben. Das Quartett bietet dem Freund Hilfe an und betreut übergangsmäßig seine Reben.

 

Volker erinnert sich noch genau an diese Zeit: „Wir hatten über Nacht das Doppelte an Fläche“, sagt er in seiner ruhigen klaren Art. „Da mussten wir uns total umfunktionieren.“
Es war ein ziemlicher Kraftakt, den das Quartett das hingelegt hat.
Sie wollten die Ernte des Winzers retten. Das gelingt.
Martin Weiß ändert auch nach Überwindung des Schocks seine Meinung kaum. Er behält einen kleinen Teil seiner Weinberge und baut heute noch Riesling und St. Laurent aus. Der Rest der Zeilen, bestockt mit Riesling, Kerner, Spätburgunder und den Cabernet Sorten bleibt bei der WeinGenussschaft.

Das Glück der Neuwinzer ist, dass alle Parzellen auf demselben Hang sind, trotz unterschiedlicher Böden.Neuanlage Acolon Mundklingen
Zum Großteil ist das Lehmboden mit Verwitterungsgestein.
Die Junganlage mit Rotem Riesling steht teilweise auf Felsen.

2014 kam die letzte Erweiterung.
Noch einmal gab es eine Brache, die jahrelang ungenutzt war. Hier wurde erneut der eingangs erwähnte Acolon gepflanzt und dank der Fruchtbarkeit des ausgeruhten Bodens gibt es in diesem Jahr auch schon Ertrag.  Zusätzlich  entschließen sich die Winzer zur Pflanzung einer weiteren Neuzüchtung: Chardonnay Rosé.

Nun haben sie stolze 1,5 Ha und müssen aufhören mit dem Pachten,
denn diese Größe ist das oberste Limit für ihr Leben im „Nebenerwerb“.

 

Die Bäckerei
Von der Backstube zum Keller

Keller MundklingenDer Keller ist im hinteren Teil des Hauses. Komplett in den Berg hinein gebaut und somit kühl.
Hier war früher Michaels Backstube, die er bei zunehmendem Druck der Großproduzenten aufgegeben hat. Gut für das Ansinnen des neuen Weinguts.
Sie haben die Backstube zum Keller umfunktioniert mit Tanks, Presse und allem was dazu gehört.

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Der Vorraum ist heute die Füllanlage. Das Lager in einem weiteren Nebenraum.
Küche MundklingenSelbst eine kleine Küche für die Weinproben wurde installiert.

Davor der alte Verkaufsraum als gemütliche Probierstube, doch davon schrieb ich schon.

Alles auf kleinstem Raum, und ich staune, wie funktional das ist.
Sie können wirklich stolz sein auf das, was sie geschaffen haben.

 

Die Kunden
Stammkundschaft und Freunde

Sie haben eine Stammkundschaft und alle scheinen Freunde.
Ein Event Veranstalter und zwei örtliche Gastronomen haben die Weine ebenfalls im Programm.

Keller Mundklingen barrique
Und die Sommelière des wichtigsten Restaurants am Ort ist ein bekennender Fan.
Sie wollte kürzlich bei einer Fassprobe den ganzen Jahrgangs eines Roten aufkaufen.
Aber da hat das Quartett um Verständnis gebeten, dass das nicht geht.
Es braucht auch Wein für den Vor Ort Verkauf.
Der funktioniert sehr gut. Sie veranstalten auch Proben im Weinberg, die oft gebucht werden.

 

 

Sie scheinen sich in allem einig, auch wenn nicht immer klar wird, wer wann welche Fäden zieht.

 

Zweiter Besuch
Der Weinberg

Junganlage MundklingenNun ist es Juli und ich fahre wieder nach Seeheim-Jugenheim, um die Weinberge anzusehen.
Freundlicher Empfang von Volker, der gerade die Bestellscheine der gestrigen Weinprobe sortiert.
Er scheint zufrieden, auch wenn sich das Weingut noch nicht selbst tragen kann.

Sie machen Wein. Weil sie Wein machen wollen.
Und natürlich langfristig am liebsten mit Gewinn. Dann wäre das ein schönes Zubrot.

Sie werden das schaffen, da bin ich sicher. Denn sie sind bedacht und werten ihre Erfahrungen aus.
Und alle vier sind unglaublich charismatische Personen, die ihr Projekt verkörpern.

Kurzes Gespräch über all das, was ich beim ersten Besuch nicht gefragt habe.
Dann packt er mir den neuen Jahrgang ein und auf geht es.

Über eine schmale steile  Straße und viel Schotter hinauf zu den Weinbergen.
All das liegt hier unterhalb des Waldes auf 200m Höhe. Die Weinberge sind von unten nicht einsehbar.

Geräteschuppen im WeinbergWir parken unter Obstbäumen und sogleich eröffnet sich mir eine Traumlandschaft.
Aufgeräumte Weinberge mit kleinen Geräteschuppen und einem Häuschen zwischendrin,
alles sehr gepflegt. Blick auf den Pfälzer Wald im gleißenden Sonnenlicht, nur ein klein wenig gestört von den Türmen Biblis und der BASF.

Wir treffen auf Michael und Uwe, der oft dienstlich reist und sich die Zeit noch mehr aus den Rippen schneiden muss, die seit dem Morgen beim Entblättern sind. Das ist jetzt das vorrangige Thema.

Weinberge MundklingenNach all dem Regen mit Oidium Befall (Mehltau) hilft nur Entblättern, damit die Trauben trocknen.
Sie haben dennoch eine weitere Gefahr vor sich, das ist die Kirschessigfliege, die schon in den letzten zwei Jahren viele Winzer um Einbußen brachte.
Sie sehen es gelassen. Das Jahr kann jetzt sehr gut werden.
Die Ertragsreduzierung ist durch die Fäulnis bereits geschehen.

Mundklingen Weinberge am WaldWir gehen durch die Weinberge und ich erlebe einen wilden Wechsel von horizontal zu vertikal, von engstehenden und breiten Zeilen. Das liegt an all den Übernahmen, erklärt Volker.
Martin Weiß hat seinen Weinberg seinerzeit von vertikal auf horizontal umgestellt, das erklärt die Unterschiede in den Zeilenabständen.

Nicht immer leicht für die Bewirtschaftung ergänzt Michael.

Ich sehe die Unterschiede in den Junganlagen, der Riesling wächst langsam auf felsigem Boden,
der Chardonnay Rosé auf Lehmboden ist weit voran geschritten, da haben sie schon 60l gekeltert letztes Jahr. Der Acolon wird dieses Jahr bereit sein.

Mundklingen QuittenbäumeDas Weingut am Rande des Waldes hat noch mehr zu bieten als die Reben: Obstbäume, vor allem Quitten. Und die ernten sie auch, maischen sie ein und lassen sie dann brennen.Mundklingen Quittenbäume
Die Brände habe ich leider nicht verkostet, doch ich bin sicher, auch diese haben ihre Qualität.

Es ist ein Musterweinberg. Alles ist hier gut in Schuss. Mit dem Entblättern sind sie noch nicht fertig, das kann man sehen. Wie soll es auch schnell gehen, wenn vier Menschen voll berufstätig nur ihre Privatzeit in solch ein Projekt stecken. Man spürt die Hingabe und auch ihre Freude, Ihr Werk mit mir zu teilen.

 

Am großen Verkostungstisch, Dach inklusive, wird eine Weinprobe vorbereitet.Mundklingen Verkostungstisch
Olli kann heute leider nicht dabei sein.
Uwe deckt ein und schneidet Weinblätter von den Reben als Deko für den Tisch.
Kunden buchen dieses Event. Und ich verstehe sehr gut, warum.

IMG_3214Hier oben herrscht eine absolute Idylle.
Und wenn man sich nicht den Rücken krumm arbeiten muss an seinen Reben,
kann man diesen Frieden und die Aussicht sehr genießen.
Sie tun es selbst. Sonst hätten sie das alles nicht so hergerichtet.
Aber ich glaube, sie sind auch oft an ihren Grenzen.

 

 

WeinbergskloKleine Besonderheit am Rande: das Weinbergsklo, welches längst der Geschichte angehört,
aber so phänomenal ist, dass es verewigt werden muss.

Man möchte verweilen. Ausblenden, dass all das harte Arbeit ist.
Es ist ein Ort der Schönheit und der Gemeinsamkeit.

 

 

Die Weine
Vielfalt der Rebsorten

Die Rebsorten Verteilung ist hauptsächlich Riesling 21%, Roter Riesling 20% und Acolon 10%.
Es folgen die Cabernet Sorten mit insgesamt 14%, danach in kleiner Menge Spätburgunder 4%, Primitivo 7%, Kerner  8%, Gewürztraminer 6% und neuerdings Chardonnay Rosé 10% , ein Versuchsanbau des Rebenzüchters ANTES in Heppenheim.

 

Die Verkostung
Spannung des neuen Jahrgangs

 

2015 Blanc de Noir
Weingenussschaft Mundklingen
Spätburgunder- hell gekeltert
€ 7,30 – 13,0 % Vol.

Kurze animalische Noten werden in der Nase abgelöst von Brioche, Mandel, Süßkirsche und Meersalz. Es folgt zarte Fruchtaromatik am Gaumen, zur Kirsche gesellt sich Erdbeere, Estragon und Marzipan. Leichte Säure rundet den Wein und mündet in einem leichten frischen Nachhall.

Dies ist ein runder schöner Wein. Ein guter Apero.

Die Speisenvorschläge sind leichte Starter. Salat von Grünspargel und Sesam mit mariniertem Kabeljau; Toast mit Tomatenmarmelade und feinen Scheiben vom Kalbsbraten; Pfifferlingssalat mit Speck; Lachs Creme Fraiche mit Blätterteigstangen

 

Kerner-Mundklingen2015 Kerner trocken
€ 5,80 –  12,5% Vol.

In der Nase grüner Apfel, Mirabelle, Quitte, etwas laktisch, nussig, kräutrig. Am Gaumen kurzer Säureauftakt gefolgt von den Aromen frischer gelber Früchte, Haselnüsse, Quittengelee.
Im kurzen Nachhall überwiegt Mirabellenfrucht mit einem starken Säuregerüst.

Hier ist für mich die Säure nicht ganz nachvollziehbar. Ich tu mich schwer mit diesem Wein.

 

An Speisenideen fehlt es dennoch nicht. Baguette mit Frischkäse und in Honig karamelisiertem Frühlingslauch; Schnittlauchbrot; Flammkuchen; Salate mit Kartoffel- oder Parmesandressing.

 

Riesling Mundklingen2015 Riesling trocken
€ 5,50 – 12% Vol.

Leichtes Petrol in der Nase, stahlig, rauchig, etwas grüner Apfel, Litschi, Birne. Am Gaumen eröffnet grüner Apfel, abgelöst von Pfirsich und reifer Birne, Limettenschale, etwas Brioche. Der kurze Nachhall ist geprägt von kräftiger Säure, leichten Fruchtaromen und etwas nussig.

War mir hier die Säure in 2014 noch etwas vordergründig, so ist 2015 balanciert und sehr gelungen.

Viele Speisen sind hier zu denken. Tomatencarpaccio mit Basilikumöl und gebackenem Ziegenkäse; Radicchio mit Scheiben von Bacalau, gerösteten Pinienkernen, Honigsenf-Dressing; Cäsar’s Salad, Parmesandressing, gebratene Garnelen in Zitronenöl; Vitello Tonnato; Risotto mit Pfifferlingen und Trüffelöl.

 

 

2015 Roter Riesling feinherb
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€ 6,80 – 11,5% Vol.

Die verhaltene Nase duftet nach Akazie, Firn, Mirabelle, weißem Pfirsich, etwas Rauch. Am Gaumen Auftakt von Waldhonig, kräftige Säure begleitet von grünem Apfel, Litschi, etwas Mirabelle, Zimt. Im recht kurzen Nachhall frische Säure mit Veilchen und Akaziennoten.

Dieser Wein braucht etwas Zeit, ihn zu verstehen. Die Säure ist sehr singular und steht gegen die dunklen Aromen des feinherben Ausbaus.

Als Speisen passen Räucherschinken, Fenchelsalami, kräftiger Käse und Olivenbaguette; Wokgemüse mit gebratenen Sprossen und Chili; Huhn, asiatisch, mit Wildreis; Sushi mit viel Ingwer.

 

2014 Gewürztraminer feinherb
€ 6,80 – 12% Vol.

Gewürztraminer MundklingenEinnehmende Nase von Rosen, Pfirsich, weißem Pfeffer, Muskat, Nektarine, etwas laktisch. Auftakt von Schmelz am Gaumen untermalt von zarter Säure, gefolgt von ausladenden Aromen von Tabak, Muskat, Vanille, Mandel, Pfirsich. Im mittellangen Nachhall treffen Rosen auf ein Muskat-Tabakfinish mit leichter Säure. Sehr balanciert.

Ein leichter Wein und doch sehr sortentypisch und aromenreich. Sehr gelungener Vertreter!

Hier könnten wir ein Feuerwerk von Vorspeisen auffahren.
Crostini mit Auberginentatar & Räucheraal; Forelle & Rosa Pfeffer-Limettenschmand;
Tatar vom Rind, Wachtelei & Thai Basilikum; Mortadella &Käsecreme; Oliventapenade & Cheddar-Scones; mit mildem Käse gratinierte Kartoffel & Forellenkaviar; Brokkoliflan &Weißweinschaum; Flammkuchen aller Arten.

 

IMG_31542015 Acolon
€ 6,80 – 13,5C% Vol.

Nase von Sauerkirsche, Holunder, Rauch, Krokant und Heidelbeere.
Am Gaumen Cassis, Sauerkirsche, leichte Adstringenz abgelöst von dunklen Noten, Heidelbeere, Schwarzkirsche. Im mittellangen Nachhall cremig mit vielen dunklen Fruchtaromen, jungen grünen Tanninen.

Junger schöner Wein. In sich geschlossen. Leicht gekühlt zu trinken. Guter Solist.

Bei  Speisen denke ich an Vesperplatte mit Rillette vom Schwein, mittelaltem Ziegenkäse, marinierten Pilzen, Kerbelschmand, Sardellen; Gemüseauflauf; Geschmortes Schweinefilet mit Kreuzkümmeljus, Pastinaken.

 

2014 Primitivo
€ 8,50 – 14% Vol.

Primitivo MundklingenSehr helle Farbe wirkt zunächst etwas irritierend.

In der Nase ein Auftakt von Provence Kräutern, Tabak, Pflaume, Mandel, Ästen und Rumtopf.  Am Gaumen zarte Fortsetzung der Aromen ergänzt um leichte Säure und Schattenmorellen, der Wein wirkt leicht, öffnet sich nur langsam. Mittellanger Nachhall mit sanften Tanninen und zarten Fruchtanklängen.

Hier braucht es helle Speisen. Pasta mit Tomate, Speck, Chorizo, Mahon; Lachs im Spinatmantel mit Selleriepüree; Gebratener Fasan in Olivensauce mit Polenta.

 

 

 

2015 Cabernet Dorsa
Cabernet Dorsa-Mundklingen
€ 8,50 – 14 % Vol.

Die Nase eröffnet mit Kirschen, nassen Blättern, etwas Holunderbeere, Lakritz, Kakao. Im weichen Auftakt werden Fruchtaromen abgelöst von leichter Säure, etwas alkoholisch in der Mitte, sanftes Tannin, mandelig mit Holunder und Kirsche. Mittellang mit leichter Säure weichem Nachhall mit Rosinen und Tabak.

Der Wein ist dunkel in seinen Aromen, wird von der Säure aber etwas aufgehellt.

An Speisen passen Gebackene Auberginen mit Polenta; Geschmorter Gratinierter Chicoree mit Wachtel in Rosinensauce.

 

 

 

Cabernet Cuvee Mundklingen2013 Cabernet Cuvée, barrique
Cabernet Dorio, Cabernet Dorsa, Cabernet Mitos
€ 14,50- 14% Vol.

Einladende Nase von Süßkirsche, Eukalyptus, etwas Kühlendem, Pflaume, Tabak, kaltem Kamin.
Am Gaumen findet sich ein Auftakt von weichen Beeren, Pflaumenkompott, Zimtstangen, gefolgt von kühler kurzer Säure, Rauch, Bittermandel, Oregano, leicht adstringent und toastig. Der mittlere Nachhall verbindet leichte Säure mit zarten Tanninen.

Der Wein braucht unbedingt Speisen. Die Säure untermalt gut die dunklen Beeren.

Die Speisenbegleiter wären Pasta mit Bolognese;  Involtini vom Lamm mit gebackenem Kürbis und Minzpesto; Gegrilltes Rindersteak mit Oliventapenade und Baguette.

 

2013 Spätburgunder- Cabernet, barrique
Spätburgunder-Cabernet Mitos
€ 14,50 – 13,5 % Vol.

Spätburgunder & Cabernet barriqueDie Nase eröffnen animalische Noten gefolgt von Pflaume, Mandel, Krokant, Zigarrenkiste etwas Heidelbeere, Waldbeeren, Rosa Pfeffer. Am Gaumen spiegeln sich die Fruchtaromen untermalt von leichter Bittermandel, kurze Säure abgelöst von Veilchen, Rosa Pfeffer, Zigarrenblättern, Orangenceste und Roten Beeren. Im etwas kurzen Nachhall gute Mischung von weichen Tanninen und Beerigkeit mit toastigem finish.

Ein gelungener Wein in ungewöhnlicher Kombination. Die Zartheit des Spätburgunders bleibt erhalten.
Ich bin gespannt auf weitere Jahrgänge, die derzeit noch im Fass reifen.

Dieser Wein lässt viele Speisen zu. Spinatkuchen mit Pinienkernen; Risotto mit Steinpilzen; Spanferkel, mildes Kraut, Serviettenknödel mit getrockneten Tomaten ; Kalbsgulasch mit Roter Beete und Rösti; Schwein, Süßkartoffelpüree & Ratatouille.

 

 

Fazit

Mundklingen Riesling
Ich bin gespannt, die weitere Entwicklung zu verfolgen.
Der Jahrgang 2015 ist insgesamt weich und geschlossen.
Sie hatten ein gutes Jahr und sicher haben sie auch dazu gelernt.
Manche Weine öffnen sich langsam, doch das ist nie verkehrt.
Kompliment dem Mundklinger Quartett.

 

 

Die Weingenussschaft Mundklingen ist jede Reise wert.Blick auf Seeheim und den Pfälzer Wald

Ich freu mich schon auf einen Herbstbesuch.
Diesmal dann auf ein Glas im Weinberg am ungarischen Tisch mit Aussicht.

 

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Hier geht’s zu den 10 Fragen an die Winzer

Das Zusammenspiel von Speise & Wein ist meine Passion.

 

8 Kommentare zu “Das Quartett aus Mundklingen

  1. liebe juliane,
    wiedermal ein empathischer weinreisebericht – danke dafür !
    schön, wenn sich jemand, erstmal aus liebe zum wein ohne vordergründige ertragsorientierung,
    die enormen mühen zumutet – grosses kompliment an das „vinophile quartett“.
    aber was wäre einfach unterwegs ohne deine saftigen weinbeschreibungen –
    mir läuft das wasser im munde zusammen !!!
    herzlichen dank und viele grüsse
    harald

    • Danke, Harald, es ist schön, zu erfahren, dass Du meine Berichte genau liest und dann noch dieses Lob!
      Es lohnt sich, das Quartett zu besuchen, aber sie schicken Dir auch gerne ein paar Tröpfchen….
      Am besten kommst Du vorbei, dann kosten wir 2012 Nikolaus Riesling (lieblich), den ich selbst noch nicht kenne.

      • … würde ich gerne !
        aber 380 km einfach für eine lieblichen riesling ist mir doch zu weit 🙂

        bis bald
        harald

        • versteht sich…aber es gäbe natürlich auch noch andere Tropfen….
          Nun denn, irgendwann treffen wir uns doch zu einem „Best off“.

  2. Liebe Juliane,
    wunderbar, Dein Text! Deine Beschreibung zu lesen macht einfach Spaß. Ehrlich und mutig, dass Du Deine anfängliche Skepsis zum Ausdruck bringst, freilich, um sie dann später zu relativieren.. Macht Lust auf mehr.
    Liebe Grüße,
    Annette

    • Danke, Annette für Deine Begeisterung. Freut mich, wenn die Balance gelungen ist.
      Ich werde das Weingut weiter besuchen, denn ich bin schon sehr gespannt auf die Ernte des Chardonnay Rosé.

  3. Der Wein muß stimmen, sonst taugt die Geschichte nicht, sagt meine be
    vorzugte Weinverkosterin Juliane. Als Gschichtenschreiber grübele ich seitdem, ob das auch umgekehrt stimmt. Ob eine gute Geschichte einen Wein veredeln kann. Ich hätte da eine Idee – aber das ist schon eine neue Geschichte. Auf jeden Fall wieder eine tolle Entdeckungsreise, ein Blog, der wirklich gut geschrieben ist und zum Probieren der angepriesenen Produkte reitzt. Fast zu viel des Guten, reicht glatt für zwei Veröffentlichungen.

    • Sicherlich kann eine gute Geschichte den Genuss von Wein erhöhen.Bin gespannt, was Du ausbrütest.

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