Nobler Champagner

wine4fiends
Früher Abend im Mannheimer Lindenhof.
Ein Weinladen.
Wein Enthusiasten versammeln sich zu einer Probe.

Dies ist nun keine wirkliche Sensation, der Grund unseres Zusammentreffens jedoch schon.
Kleines Champagnergut in Damery, westlich von Épernay, eines der wenigen, das noch immer in traditionellem Familienbesitz ist und einen klingenden Namen trägt.

 

Champagner AR Lenoble

Ein elsässischer Einwanderer, Antoine-Raphaël Graser, gründete 1920 das Gut in Damery.
Und weil ihm sein eigener Name zu fremd vorkam, nannte er sein Gut Lenoble. Verbunden mit seinen beiden Vornamen war der neue Name schnell geboren.

1947 starb der Gründer als er während der Lese in einen Tank fiel.
Für die heutigen Erben noch immer eine schmunzelnde Anekdote über den umtriebigen Urahn.

Vom Sohn über den Enkel und Neffen blieb das Gut im Familienbesitz.
Seit 1993 managt Urenkelin Anne Malassagne den Betrieb, unterstützt in Weinberg und Keller von Bruder Antoine.

Das Weingut besitzt 18ha und produziert 320.000 Flaschen jährlich.AR Lenoble-Weinbeschreibungen
Sie sind damit das kleinste Champagnerhaus der gesamten Region.
Sie arbeiten ökologisch. Biologische Vielfalt wird groß geschrieben.
So gibt es am Rande der Weinberge auch Bienenstöcke und entsprechend auch Lenoble Honig.

Drei Lagen bewirtschaften sie.
Grand Cru Chouilly (Chardonnay), Premier Cru Bisseuil (Pinot Noir), Damery (Pinot Meunier).
Und der Firmensitz ist immer noch in Damery.

Die Weine werden sämtlich im Holz ausgebaut, in 225l Fässern oder 5000l Holzfudern
bleiben 3 Jahre auf der Hefe und 9 Monate in der Flasche.

Das Weingut hat, wie alle Champagnerhäuser, einen großen Stock an Reserveweinen.

Dies sei nun kurz erklärt, weil es in den Verkostungsnotizen eine Rolle spielt.
Das ist eine Besonderheit der Champagne.
Ein Teil der ausgebauten Weine wird über Jahre in den Fässern gelagert, um daraus dann die Cuveé zu erstellen, wenn die zweite Gärung erfolgt.
So gewährleistet das Champagnerhaus trotz unterschiedlicher Ernten Jahr für Jahr immer gleichen Geschmack. Jahrgangschampagner natürlich ausgenommen.
Diese Vinifikation unterscheidet sich doch sehr vom klassischen Weinbau, in dem wir die Jahrgangsschwankungen ja gerade suchen und mittrinken.
Aber so ist die Champagne. Und genau das macht ihre Besonderheit aus.

Wichtig ist dem Weingut die Herausarbeitung der Säure.
Deshalb gibt es auch nie mehr al 6g/l Restzucker in der Fülldosage.
Und eine kleine Besonderheit: sie füllen in schwarze Flaschen.

Vergessen wir mal große Namen, Schall und Rauch.
Interessieren wir uns auch nicht für die Auszeichnungen, die das Gut vornehmlich in der englischen Presse erhält.

Lassen wir die Tropfen für sich sprechen.

Umsorgt von den wunderbaren Weinladenbesitzern mit einer sehr informativen und gleichzeitig unterhaltsamen Moderation des Vertriebsagenten, tauchen wir ein in eine Welt, die Champagner aus der Luxusecke weg rückt. Hin zu trefflichen Speisenbegleitern und aromatischen Zeitgenossen.

 
AR Lenoble Weinbeschreibungen
AR Lenoble Dosage Zero
30% Chardonnay, 35% Pinot Noir, 35% Pinot Meunier
Ernte: 2011; 22% Reserve Wein

Zunächst sehr hefig und buttrig in der Nase. Gefolgt von Wiesenkräutern und Pampelmuse.
Am Gaumen zarte aber dichte Perlage. Nussig, etwas Weißbrot.

Im Nachhall hell und klar, frische Säure vereint mit Brioche und kühlen Zitrusaromen.

Für mich nicht ganz der Favorit, denn die Säure ist so klar wie eine Sternennacht.

Speisen: Guter Solist als Apero
Austern; pochierte Jakobsmuschel mit Safransauce; Blätterteiggebäck.

 

AR Lenoble Wenbeschreibungen
AR Lenoble Intense Brut

30% Chardonnay, 35% Pinot Noir, 35% Pinot Meunier
Ernte: 2011; 18% Reserve Wein; 5g/l Restzucker

Haselnüsse, etwas Brotrinde, Orangenaroma betören die Nase.
Dunkle Fruchtaromen folgen am Gaumen.
Feine Perlage, gut eingebundene Säure.

Im Nachhall Holunder, Nüsse, Orange, etwas Rauch.

Guter Allrounder.

Speisen: Tomatenmousse mit Foccaccia ; Parmesanflan mit gebratener Rotbarbe; Pasteten und leicht mariniertes Gemüse; Kalbsbraten in Thunfischsauce mit Baguette.

 

 

AR Lenoble Weinplanerin

Rosé Terroirs Chouilly – Bisseuil Brut
88% Chardonnay, 12% Pinot Noir,
Ernte: 2012; 35% Reserve Wein; 5gl Restzucker

Dieser Champagner wird nur in besonders guten Jahrgängen produziert.

Hefige Nase wird abgelöst von Kirsche und Holunder, Orange, Muskat.
Am Gaumen sehr sehr feine Perlage, abgelöst von Mandel und Holunder.
Im Nachhall dunkel, breit und doch frisch.

Sehr dicht, sehr fein und stimmig.

Speisen: Serranoschinken mit Tapenade von schwarzen Oliven; Tart mit Ziegenkäse und Feigen; pochierter Fisch mit Sellerie und Kartoffelkuchen.

 

 

Es folgen nun zwei Jahrgänge Grand Cru Blanc de Blanc zum Vergleich.

 

Grand Cru Blanc de Blanc, Chouilly
100% Chardonnay
Jahrgang 2012; Reserve Wein 30%; 5g/l Restzucker

Reiche Aromatik in der Nase von weißen Blüten, gerösteter Brotrinde, überreifen Trauben, Haselnüssen, Aprikosen.
Am Gaumen breit, viel Schmelz, Haselnüsse, Mandeln, Akazienhonig.
Im langen Nachhall breite Fruchtaromatik verbunden mit Firn und kräftiger Säure.

Schöner ausgewogener Champagner. Vielseitig und animierend.

Speisen: Foccacia mit mariniertem Thunfisch und Soja; milde Käse mit Walnussbrot und Olivenbutter;
Gegrillte Krebsschwänze und Garnelen mit Curryschaum; Käsefondue (als Favorit).

 

Grand Cru Blanc de Blanc, Chouilly
100% Chardonnay
Jahrgang 2006; 4g/l Restzucker

In der Nase gebranntes Malz, geröstete Kaffeebohnen, Rauch, Graphit, gebrannte Mandeln.
Am Gaumen wiederholt sich das dunkle Aroma ergänzt durch Zimt, Toast, Haselnüsse,
verbunden mit einer sanften ausgewogenen Perlage.
Im Nachhall breit, lang, weich und ausladend.

Diesen Champagner sollte man solo genießen. Tropfen für Tropfen.

Speisen: Creme Brulee; Feigen-Ziegenkäsemousse; Tart Tatin mit Basilikumeis.

 

Nach diesem Vergleich gibt es nun noch eine letzte Perle.

AR Lenoble WeinplanerinPremier Cru Blanc de Noir, Bisseuill
100% Pinot Noir,
Jahrgang 2009; 4g/l Restzucker

Animalische Nase mit Harz, Sträuchern, Most, Orangenceste, kräftigem Firn, Rosinen.
Am Gaumen Firn, Rosinen, Jod, Zartbitter, Orange, leicht adstringent.
Viele dunkle Noten im Nachhall mit leichter Säure.

Dieser Champagner sollte jetzt getrunken werden und ist exorbitant in seiner Vielfalt.
Aber nur für Geniesser, die das Dunkle eines Schaumweins schätzen.

Speisen: Rebhuhn mit Spinat und getrockneten Tomaten gefüllt; Wachtel in Rosinensauce;
Maispoularde mit gebratener Garnele; Sellerie; Topinambur; Reifer Käse.

 

Schöne spannende Verkostung.
Wenn ich auch in der Regel Alltagsweine und moderate Preise beschreibe,
hat mich dieses Weingut zur Ausnahme verleitet.
In dieser Liga findet man wenig Vergleichbares. Jeder Tropfen ist seinen Preis wert!

AR Le Noble Weinbeschreibungen

 

AR Lenoble Dosage Zero                  € 32,95
AR Lenoble Intense Brut                  € 34,95
Rosé Terroirs Brut                             € 44,95
Grand Cru Blanc de Blanc 2012      € 44,95
Grand Cru Blanc de Blanc 2006      € 69,95
Premier Cru Blanc de Noir 2009     € 69,95

 

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Rechte des Weinladen Fotos bei wine4friends.
Rechte der Etiketten und restlichen Fotos beim Weingut AR Lenoble.
Mit herzlichstem Dank an Anne Malassagne für die warmherzige Unterstützung.

 

Die Weinplanerin. Wein und Speise. Korrespondierend oder Konträr.

11 Kommentare zu “Nobler Champagner

  1. Hallo liebe Frau Gassert,
    vielen Dank für den interessanten Artikel über eines der führenden Champagnerhäuser Frankreichs.
    Unseres Erachtens hat sich in Ihrem Beitrag allerdings ein Fehler eingeschlichen: „Das Weingut besitzt 18ha und produziert 320.000 Flaschen jährlich.“
    Einen Ertrag von 320.000 Flaschen aus einer Fläche von 18 ha zu erwirtschaften ist unzulässig und würde auch keinen Spitzenchampagner ermöglichen. Der Betrieb muss also noch in größeren Mengen Grundweine von anderen Winzern zukaufen um 320.00 Flaschen zu produziern.
    Viele Grüße

    • Liebe Frau Becker,
      danke für Ihre Aufmerksamkeit.
      Ich habe die Zahlen allerdings vom Weingut bekommen, somit sollten sie stimmen.
      Zukaufen ist heutzutage ja zulässig.
      Hoffe, das hilft.
      Grüße, Juliane Gassert

  2. hmmmm…
    ich will da wieder hin !!
    danke für deinen wunderbaren appetitanreger!
    wir haben gerade für morgen auch eine kleine schaumweinverkostung anberaumt
    allerdings von epernay über ay nach avenay val d´or
    da kommt dein bericht gerade recht.

    liebe grüsse
    und noch eine schön hektische vorweihnachtszeit für dich 🙂
    harald

    • Lieber Harald, dann wünsche ich erstmal eine vergnügliche Verkostung und freue mich auf neue Tipps.

  3. Ich bin eigentlich kein großer Champagner Trinker, aber diese Beschreibungen locken mich wirklich, es mal wieder auszuprobieren.

    • Champagner ist meines Erachtens eine sehr eigene Welt.
      Wenn sich dann aber solch schöne Tropfen auftun, die Kunstwerken gleichen,
      dann lohnt es sich, einen Ausflug in diese Gefilde zu unternehmen.

    • Da gäbe es auch den einen oder anderen Tropfen für das Weihnachtsmenü….
      Diese Champagner pairen Speisen wirklich gut.

  4. Ich kann da nur zustimmen, die Brausen von ARL sind -soweit ich sie bis jetzt kenne: Rosé und Blanc de Blancs Chouilly, der 2008er Grand Cru liegt noch im Keller- wirklich sehr schön gemacht, gerade wegen ihrer schönen Säurestruktur. Viele Champagner der bekannteren Marken sind mir meist zu klebrig, auch wenn „Brut“ draufsteht. Das ist hier komplett anders!

  5. Vielen Dank für diese Entdeckung!
    Klingt wirklich sehr verführerisch. Und da ich im Moment eh auf der Suche nach etwas besonderem bin kommt das gerade recht.

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